Gertraud Knoll kandidiert für die SPÖ

29. Oktober 2002, 20:00
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Die evangelische Superintendentin soll als Sozial-Staatssekretärin eingesetzt werden - 1998 kandidierte sie für das Bundespräsidentin-Amt

Wien - Bereits am Vorabend hatten sich JournalistInnen bei einem Fest der SP-Frauen auf die Suche nach der nächsten Lichtgestalt in Alfred Gusenbauers präsumptiven Kabinett begeben. Vergeblich. Die, die es wussten, hielten bis Dienstagfrüh dicht: Dann präsentierte der Parteichef selbst die neue Kandidatin, und wie im Fall Josef Broukals war es wieder ein Überraschungscoup.

Mit der evangelischen Superintendentin Gertraud Knoll stellte Gusenbauer eine Kandidatin vor, mit der selbst Partei-InsiderInnen kaum gerechnet hatten. Bei einer SP-Regierung soll Knoll Staatssekretärin im Sozialministerium werden, verkündete Gusenbauer. Knoll soll sich der neuen sozialen Problemlagen annehmen, insbesondere den Fragen des Älterwerdens und der Behinderten. Daneben wird es aber auch noch einen eigenen Minister für Soziales und Gesundheit geben, dessen Namen Gusenbauer noch nicht verraten wollte. Knoll sei, so Gusenbauer, ein Zeichen für innovative Politik, "die all jenen eine Stimme gibt, die bisher keine hatten".

Mut zeigt die neue "Mutter Courage" der SPÖ, wie Gusenbauer Knoll nannte, auf jeden Fall. Sie scheint nämlich auf keiner Parteiliste auf und sitzt daher bei einer Niederlage der SPÖ auch nicht auf einem sicheren Nationalratsmandat, wie beispielsweise der potenzielle Minister Broukal. Eine Wiederkehr in ihren Beruf sei nicht möglich, betonte Knoll. Sie bestätigte, schon 1995 ein Angebot aus der Politik gehabt zu haben: Damals hatte sich VP-Chef Wolfgang Schüssel um Knoll bemüht und ihr das Familienministerium angeboten. Auch die Ressorts Umwelt und Unterricht standen zur Diskussion.

Dass sie jetzt bei der SPÖ angeheuert habe, begründete Knoll mit der "faszinierenden Aufgabe, innovative Lösungsansätze im sozialen Bereich mit zu erarbeiten". Das Konzept Gusenbauers habe sie voll überzeugt, vor allem seine Ansicht, dass einerseits ein stabiler Haushalt nötig sei, der Staat aber seinen sozialen Verpflichtungen nachkommen müsse. Ihr Motto sei immer gewesen: "Der Mensch zählt, bevor er sich auszahlt."

Ob sich ihr Engagement für die SPÖ auszahlt, wird von Meinungsforscher Peter Ulram bezweifelt. "Auch der Broukal-Effekt war schnell weg", meint Ulram. (Samo Kobenter/DER STANDARD, Printausgabe 29.10.2002)

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    Gertraud Knoll, Kandidatin des Lichts
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