Nordkorea lehnt Atomprogrammstopp ab

29. Oktober 2002, 14:15
posten

Bericht über Biowaffen - Kim Dae Jung warnt vor Krieg mit Millionen Toten

Kuala Lumpur/Tokio/Seoul - Nordkorea hat die Forderung Japans, der USA und Südkoreas nach sofortiger Beendigung seines Atomwaffenprogramms abgelehnt. Das berichteten japanische Medien unter Berufung auf Tokios Delegation bei den am Dienstag wieder aufgenommenen Gesprächen zur Normalisierung der Beziehungen in der malaysischen Hauptstadt Kuala Lumpur. Wie unterdessen aus Seoul verlautete, hat Nordkorea bis zu 4000 Tonnen biochemische Waffen gelagert. Das kommunistische Land habe zudem vermutlich ein bis drei "primitive" Nuklearwaffen gebaut, wurde Geheimdienstchef Shin Kun zitiert.

Am ersten von zwei Verhandlungstagen konnten Japan und Nordkorea in den Kernfragen nach Ende des Atomprogramms und den von Nordkorea in den 70er und 80er Jahren entführten Japanern keine Annäherung erzielen. Nordkoreas Chefunterhändler habe Tokios Forderung nach Beendigung des Programms zur Anreicherung atomwaffenfähigen Urans als "total inakzeptabel" zurückgewiesen. Die Angelegenheit werde nur durch Verhandlungen mit den USA gelöst werden, habe die nordkoreanische Delegation nach Angaben eines japanischen Regierungsbeamten erklärt.

Man habe "frustrierende" Gespräche geführt, hieß es von japanischer Seite. Die Wiederaufnahme der Normalisierungsgespräche nach zweijähriger Unterbrechung war zwischen dem japanischen Ministerpräsidenten Junichiro Koizumi und dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Il bei ihrem Treffen Mitte September in Pjöngjang vereinbart worden.

Nordkoreas Chefunterhändler bei den Gesprächen in der malaysischen Hauptstadt, Jong Thae Hwa, warf den Berichten zufolge Japan vor, die Vereinbarung gebrochen zu haben, dass fünf nach Japan gereiste Entführungsopfer nach etwa zwei Wochen nach Nordkorea zurückkehren würden. Tokio hat ihren Aufenthalt verlängert, um von Nordkorea die Zusicherung zu bekommen, dass ihre Familienmitglieder nachkommen können. Japan wies die nordkoreanische Darstellung zurück, man habe sich geeinigt, die Entführungsfälle bei zukünftigen Gesprächen auf der Arbeitsebene zu behandeln.

Nordkorea hatte bei dem Gipfeltreffen im September die Entführungen zugegeben und sich dafür entschuldigt. Acht der Opfer seien gestorben, hieß es offiziell. In der japanischen Öffentlichkeit haben die Entführungsfälle große Empörung ausgelöst, die weiter andauert. Angesichts dessen sieht sich die Regierung in Tokio veranlasst, härter gegenüber Nordkorea aufzutreten. Angehörige der Opfer bezweifeln Nordkoreas Darstellung, acht der Entführten seien tot. Die japanische Delegation verlangte am Dienstag die Bekanntgabe weitere Einzelheiten.

Nach Angaben des südkoreanischen Abgeordneten Lee Yoon Sung von der oppositionellen Großen Nationalpartei (GNP) sagte Geheimdienstchef Shin vor einem Parlamentsausschuss in Seoul, Nordkorea habe Kapazitäten zur Produktion von jährlich etwa 4500 Tonnen biochemischer Kampfstoffe aufgebaut. Shin wiederholte damit früher gemachte Schätzungen. Nordkorea habe bereits in den frühen 60er Jahren mit der Entwicklung biochemischer Waffen begonnen. Südkorea sei zudem im Besitz von Informationen, wonach Nordkorea vor Beginn von internationalen Atominspektionen im Jahr 1992 vermutlich 7 bis 22 Kilogramm atomwaffentaugliches Plutonium produziert hat.

Shins Angaben erfolgten etwa zwei Wochen nach der Enthüllung durch die US-Regierung, dass Pjöngjang die Existenz eines geheimen Programms zur Anreicherung von Uran eingeräumt habe, das zum Bau von Atombomben eingesetzt werden kann. Das Eingeständnis hatte weltweit Besorgnis ausgelöst. US-Präsident George W. Bush hatte Nordkorea Ende Jänner zusammen mit dem Iran und dem Irak als "Achse des Bösen" bezeichnet.

Der südkoreanische Präsident Kim Dae Jung warnte am Montag davor, dass Sanktionen der USA gegen Nordkorea zu einem Krieg mit Millionen Toten führen könnten. Wirtschaftliche Strafmaßnahmen würden nur die Entschlossenheit des Nordens stärken, sein Atomprogramm zu beschleunigen, sagte Kim am Montag vor Koreanern in der nordwestamerikanischen Großstadt Seattle. Ein neuer Krieg könnte verheerender werden als der Koreakrieg von 1950 bis 1953, sagte Kim. Fachleute schätzen, dass ein Krieg mit Nuklearwaffen auf der koreanischen Halbinsel rund 500.000 südkoreanischen Soldaten und einer Million Zivilisten das Leben kosten würde.(APA/dpa/AP)

Share if you care.