Experte: Nach Geiseldrama vermutlich weiter steigende Opferzahlen

28. Oktober 2002, 12:15
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Schweigen der Behörden über Zusammensetzung des Gases erschwert Therapie

Berlin - Nach der Geiselbefreiung im Moskauer Musical-Theater befürchtet der Chemie- und Biowaffenexperte Jan van Aken, dass sich die Zahl der Todesopfer noch weiter erhöhen wird. Da die russischen Behörden keine Informationen über die genaue Zusammensetzung des eingesetzten Gases geben, werde die Therapie erschwert, sagte van Aken am Montag. Er befürchte, "dass noch einige Menschen sterben werden".

Allerdings gehe er nicht davon aus, dass die russischen Sturmtrupps einen tödlichen Nervenkampfstoff einsetzten. Eher sei ein Betäubungsmittel verwendet worden, "das in der Regel nicht tödlich wirkt, aber so speziell entwickelt wurde, dass es auch als Waffe, als Gas eingesetzt werden kann". Das Stillschweigen der russischen Behörden erklärte sich der Chemiewaffenexperte damit, dass es sich um ein "militärisches Geheimnis" handele.

"So wie das in Moskau versprüht wurde, ist das möglicherweise nicht illegal und verstößt nicht gegen weltweite Chemiewaffenverbote, weil es intern eingesetzt wurde", sagte van Aken. Aber die russische Regierung werde sich Fragen nach Art und Menge des Gases gefallen lassen müssen. "Dabei könnte möglicherweise doch noch der eine oder andere Verstoß gegen internationale Vereinbarungen ans Tageslicht kommen."(APA)

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