Orkan über Europa

29. Oktober 2002, 11:20
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Etwa dreißig Menschen kamen ums Leben - Schäden in Österreich relativ gering - Verkehrsunfall in Oberösterreich durch Böe

Vergleichsweise glimpflich ist Österreich in der Nacht auf Montag davongekommen, als Ausläufer eines mächtigen Orkans die Alpenrepublik streiften. Windgeschwindigkeiten von bis zu 135 km/h im Raum Innsbruck entwurzelten Bäume und bescherten den rot-weiß-roten Feuerwehren zahlreiche Einsätze. Laut Landessprecher Jörg Würzelberger von den NÖ-Feuerwehren kam es in seinem Bundesland zu keinen dramatischen Geschehnissen, verletzt wurde niemand. Am Montag waren rund 2.500 Florianijünger mit Aufräumarbeiten beschäftigt. Schwerpunkt war die Entfernung von Bäumen, die teilweise die Straßen blockierten. Von den Böen erfasst und losgerissen wurden auch zahlreiche Wahl-Plakatständer.

Am Flughafen Wien in Schwechat kam es durch den Sturm zu keinen Ausfällen. Laut Sprecher Hans Mayer verzögerten sich lediglich die Ladevorgänge ein wenig, einige Verkehrszeichen am Gelände machten sich "selbstständig". Kleine Maschinen wurden in Windrichtung positioniert und entsprechend festgezurrt. In Wien verzeichnete die Feuerwehr fünfzig Sturm-Einsätze - meist zu umgestürzten Bäumen. Der Grund: Das durch Regen aufgeweichte Erdreich bietet den Wurzeln weniger Halt. Berichte über Verletzte lagen jedoch nicht vor.

OÖ: Verkehrsunfall wahrscheinlich durch Böe ausgelöst

In Oberösterreich, wo 600 Feuerwehrleute im Einsatz waren, könnte ein Verkehrsunfall, bei dem vier Menschen ums Leben kamen, von einer Böe ausgelöst worden sein. Auf der Mühlviertlerbundesstraße zwischen Neumarkt und Freistadt bei Galgenau war Sonntagabend ein Autofahrer aus Tschechien mit seinem Wagen ins Schleudern geraten und frontal gegen den Pkw einer Behindertenbetreuerin geprallt. Für vier Personen, darunter die beiden Ausländer, kam jede Hilfe zu spät.

Umstürzende Bäume blockierten u.a. die Summerauerbahn. Sie musste zwischen Pregarten und Summerau gesperrt werden, weil die Oberleitung zerrissen war. Auch zahlreiche Straßen waren zumindest vorübergehend gesperrt. Auch im Tiroler Unterland wurden Straßen blockiert, Stromleitungen durchtrennt und Autos sowie Zäune beschädigt. Weiters wurden Dächer abgedeckt, Verkehrsschilder und Plakatständer umgeworfen. Sämtliche Feuerwehren der betroffenen Orte waren im Einsatz.

Leichtverletzter in Vorarlberg

Einen Leichtverletzten forderte der Herbstorkan in Vorarlberg. Auf dem Vorplatz der Hauptschule Meiningen (Bezirk Feldkirch) war am Sonntagabend ein etwa zwölf Meter hoher und morscher Baum umgestürzt, der ein dort abgestelltes Auto traf. Ein 25 Jahre alter Lenker wurde dabei von einem Ast gestreift und leicht verletzt. Im Burgenland waren besonders die Bezirke Neusiedl am See und Eisenstadt-Umgebung betroffen: Heftige Böen waren die Ursache mehrerer Lkw-Unfälle. Die Feuerwehren standen im Dauereinsatz. In Neusiedl am See wurde etwa der Zunftbaum vom Sturm gefällt.

Orkan über Europa

Die Orkanböen haben in der Nacht auf Montag in weiten Teilen Europas eine Spur der Verwüstung hinterlassen. Insgesamt kamen dabei etwa dreißig Menschen ums Leben. Neben Deutschland mit neun Todesopfern war auch Großbritannien sehr stark betroffen: Dort kamen mindestens sieben Personen um. Unterdessen zog das Sturmtief weiter nach Osten ab.

Sechs der getöteten Briten, darunter drei Kinder, wurden von umstürzenden Bäumen erschlagen. Das siebte Opfer war ein Angler, der bei Aberdeen in Schottland von einem Felsen ins Meer gespült wurde. Rund 280.000 britische Haushalte waren Montagmittag noch von der Stromversorgung abgeschnitten, Eisenbahnverbindungen sowie der Flugverkehr waren weiterhin eingeschränkt. Eine Elektrizitätsgesellschaft in Südengland heuerte Techniker aus Frankreich an, um die Sturmschäden schneller beheben zu können.

Doch auch Frankreich hatte mindestens vier Todesopfer zu beklagen. In Pierrefitte-sur-Seine nördlich von Paris wurden zwei Insassen eines Autos von einem umstürzenden Baum erschlagen. Im nordfranzösischen Caumont riss der Sturm das Dach eines Hauses weg. Die Trümmer erschlugen einen Mann. Bei Maubeuge nahe der belgischen Grenze starb ein Jäger, der von einem entwurzelten Baum getroffen wurde.

Sturmbilanz in Polen: Drei Tote, 18 Verletzte

Bei schweren Stürmen sind in Polen seit Sonntag drei Menschen getötet und 18 verletzt worden, unter ihnen zehn Feuerwehrmänner bei Bergungseinsätzen. Das ist die vorläufige Sturmbilanz, die die polnische Feuerwehr am Dienstag zog.

Seit Sonntag habe es mehr als 10.000 Einsätze gegeben, um umgestürzte Bäume von Straßen, Bahngleisen oder von niedergerissenen Telefonleitungen zu räumen. Allein am Montag rückten die Feuerwehrmänner im ganzen Land mehr als 5.000 Mal aus, teilte ein Sprecher mit. Am Dienstag dauerten die Reparaturen an unterbrochenen Stromleitungen an. (APA/dpa)

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