Arbeiterkammer kritisiert kräftig gestiegene Grundgebühr

25. Oktober 2002, 12:25
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Hohe Grundgebühren machten für Wenig-Telefonierer Ersparnis bei Gesprächskosten seit Marktöffnung fast wett

Die Arbeiterkammer (AK) kritisiert die deutlich gestiegenen Telefon-Grundgebühr der Telekom Austria (TA) in den vergangenen Jahren. Vor allem Wenig-Telefonierer, wie Single- oder Pensionistenhaushalte, hätten dadurch bei der Telekom-Liberalisierung den Kürzeren gezogen.

Hohe Grundgebühr macht Gesprächskostenersparnis fast wett

Im Durchschnitt zahlt ein Wenig-Telefonierer laut AK-Analyse monatlich heute rund 25 Euro an Telefonkosten, etwas mehr als 3 Euro weniger als noch vor fünf Jahren. Die Grundgebühr sei in diesem Zeitraum jedoch von 12,38 Euro auf 14,38 Euro (Minimumtarif) gestiegen. Der Anteil der Grundgebühr an den gesamten Telefonkosten eines Wenig-Telefonierer habe sich damit von 50 auf mittlerweile fast 70 Prozent erhöht, ergab eine AK-Analyse der Telefonrechnungen von 100 Wiener Haushalten.

Nur 13 Prozent Ersparnis

Zwar seien die Gesprächsgebühren für Wenig-Telefonierer seit der Marktöffnung 1997 um durchschnittlich rund 50 Prozent, in Einzelfällen sogar bis zu 67 Prozent gesunken. "Die durchschnittlichen Gesamtersparnis liegen im Monat aber nur bei geringen 13 Prozent, weil die seit 1997 deutlich gestiegenen Grundgebühren bei Wenig-Telefonierern besonders ins Gewicht fallen", sagte AK-Konsumentenschützer Harald Glatz am Freitag zur APA.

"Die Marktöffnung hat insbesondere Unternehmen und Vieltelefonierern etwas gebracht. Wenigtelefonierern hat die Liberalisierung des Telekommarktes nur ein bescheidendes Sümmchen gebracht", betont Glatz.

Sekundengenau abgerechnet

Abgesehen von den gestiegen Grundgebühren habe die Liberalisierung aber selbst den Wenig-Telefonierern auch Positives gebracht. So werde bei neun der 24 von der AK untersuchten Tarifen sekundengenau ab der ersten Sekunde abgerechnet, was eine deutliche Ersparnis für den Konsumenten bringe. "Außerdem gibt es jetzt deutlich weniger und übersichtlichere Zeit- und Ortszonen", betont Glatz.

Den Grund für die hohen Grundgebühren sieht die AK im fehlenden Wettbewerb beim Endkundenzugang (Last Mile). Bisher liegt dieser fast ausschließlich in Händen der Telekom Austria. Selbst wer über einen alternativen Telekombetreiber telefoniert (ausgenommen Priority von Telekabel), muss daher die Grundgebühr an die Telekom Austria entrichten.

Schuld beim Regulator

Die Schuld an dieser Marktentwicklung sieht die AK aber weniger bei der Telekom als vielmehr im regulatorischen Umfeld. Bisher habe es kaum Anreize für alternative Netzbetreiber gegeben, die Netze bis zum Endkunden auszubauen oder die Anschluss entbündeln zu lassen. "Bei der bevorstehenden Novelle des Telekom-Gesetzes sollten Infrastrukturinvestitionen daher verstärkt gefördert werden", fordert die AK.

Bessere Kunden-Information verlangt

Außerdem verlangt die AK bessere Informationen für die Konsumenten bei Telefon-Abrechnungen - unter anderem EU-konforme und unentgeltliche Einzelgesprächsnachweise sowie Name und Anschrift von Infodienstanbietern, die genutzt wurden, auf der Rechnung.

Außerdem verlangt Glatz von den Anbietern mehr Transparenz im dem noch immer dichten Tarif-Tschungel. Nur so könne der Konsumenten vom Wettbewerb profitieren, betont der Konsumentenschützer.(APA)

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