Benetton steigt aus dem Sportartikelsektor aus

24. Oktober 2002, 17:48
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Sportartikel werden bald nicht mehr zum Reich der United Colors gehören - In Österreich würde man gerne nicht nur Maut einheben

Der Sportartikelsektor der Unternehmerfamilie Benetton soll verkauft werden. "Wir verhandeln über einen teilweisen Ausstieg", bestätigte der Präsident der Familienholding Edizione Holding, Gilberto Benetton, im Gespräch mit dem Standard.

Zu den Bewerbern zählen neben US-Interessenten auch der Head-Skikonzern und angeblich die italienische Skischuhgruppe Tecnica. Gerüchte, wonach auch die österreichische Atomic verhandle, wurden von dem 61- jährigen Finanzexperten der Benetton-Gruppe, Gilberto, nicht bestätigt.

Der Bereich Sportausrüstung wurde in den letzten Jahren restrukturiert und soll 2002 erstmals wieder schwarze Zahlen schreiben. Benetton stellt seit 1997 Ski und Skischuhe (Nordica) her sowie Tennisschläger (Prince), Inline-Skates und Sportbekleidung (Killer Loop, Playlife). Letztere soll angeblich nicht verkauft werden.

Die Gruppe bemühe sich zur Zeit ihren "status quo" aufrechtzuerhalten und die vielfältigen Beteiligungen zu konsolidieren. Das Kerngeschäft soll weiterhin der Pullisektor bleiben, der nur mehr 27 Prozent des Umsatzes ausmacht. In Expansion befinden sich die Autobahnrestaurationskette Autogrill und Europas größter Betreiber von mautpflichtigen Autobahnen, Autostrade. Bei beiden Unternehmen ist Benetton mit 57 bzw. 14 Prozent größter Einzelaktionär.

Sowohl Autogrill wie auch Autostrade sind in Österreich stark verwurzelt. "Wir sind am österreichischen Markt für Autobahnrestaurationen an einer Aufstockung unseres Anteiles von gegenwärtig 30 auf 50 Prozent interessiert. Solange es aber keine Verkäufer gibt, ist es schwierig dieses Ziel zu erreichen."

Kein Rosenberger

Gilberto Benetton spielte damit auf die bisher vergeblichen Bemühungen von Autogrill an, bei Rosenberger- Restaurants einzusteigen. Jedenfalls sei der Konzern auch an Raststätten interessiert, die nicht unter dem Namen Autogrill laufen.

Bei Autostrade, die vor wenigen Monaten den Zuschlag für die Lkw-Mautstellen in Österreich gewann, sei man mit der Entwicklung zufrieden. Zweifellos interessiert sich Autostrade auch für den Betrieb von Pkw-Mautstellen, sollten diese in Österreich eingeführt werden. Auch bemüht sich die Autostrade SpA stärker zu internationalisieren und bewirbt sich um die Privatisierungen der Autobahnen in Südfrankreich.

Während sich Autogrill und Autostrade zu wahren "Cash Cows" entwickeln, erwies sich der Benetton-Einstieg in den Telekom-Sektor bisher als Flop. Die Holding war mit 40 Prozent größter Aktionär des kürzlich stillgelegten Mobilfunkbetreibers Blu. Das Blu- Abenteuer kostete den Benettons rund 400 Mio. Euro. Vor knapp anderthalb Jahren beteiligte sich Edizione Holding bei Telecom Italia. "Wir sind zum falschen Zeitpunkt eingestiegen", erklärte Portfolio- Manager Gilberto Benetton. Die Beteiligungen der Familienholding Edizione Holding reichen vom Turiner Flughafen Sagat (24 Prozent) bis zum Betreiber von Großbahnhöfen "Grandi Stazioni". (Von Thesy Kness-Bastaroli aus Mailand/DER STANDARD, Printausgabe, 15.10.2002)

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