"Ordnungsruf": Originaltöne aus der Doku

27. November 2002, 10:42
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... der Filmemacherin Nathalie Borgers und das Transkript als Download

Hans Dichand: Der Tierschutz ist für uns wichtig. Wir haben ein sehr großes Ressort, das ist ein Millionen-Unternehmen ganz einfach geworden. Wir kriegen Erbschaften und alles mögliche.

Maggie Entenfellner (Tiere): Ich hab’ also schon Tage gehabt, wo ich wirklich mit Tränen in den Augen hier hinausgegangen bin, weil man doch dieses Tierleid so sehr in sich hineinlässt.

Kurt Krenn (Bischof, Kolumnist "Christianus"): Viele sagen eigentlich, die "Kronen Zeitung" ist besser als die "Kirchenzeitung". Weil die "Kronen Zeitung eigentlich interessanterweise nicht diesen vielen Verwirrungen folgt. Sie ist etwas einfacher, vernünftiger, aber auch in vielem christlicher als unsere eigene Presse.

Dichand: Die meisten Leserbriefe zeigen, dass unsere Leser geradezu Anhänger sind und nicht nur Leser eben. Die sitzen daheim und schreiben uns jeden Tag einen Leserbrief, wissen Sie. Und ich finde das also wirklich sehr lustig, weil sie schreiben das ja umsonst, sie kriegen ja kein Honorar dafür. Nicht, also es sind Seiten, die uns nichts kosten auch noch. Wird sehr, sehr gerne gelesen.

Dichand: Ich glaube, dass die Österreicher sehr tierfreundlich sind, überhaupt gefühlsbetont, wissen Sie? Und das macht sie auch zu Menschenfreunden. Es wird uns zwar nachgesagt, da gibt’s Rassismus und alles mögliche, das stimmt alles nicht. Und so sind wir also natürlich die tierfreundlichste Zeitung von Österreich. Aber ich glaube, von der ganzen Welt auch ...

Landeshauptmann Hans Niessl (Burgenland): Na ja, die "Kronen Zeitung" hat viel Macht in Österreich. Macht ist für mich ein neutraler Begriff. Ich bin überzeugt davon, dass die "Kronen Zeitung" in der Vergangenheit mit Macht sehr verantwortungsvoll umgegangen ist und dass sie in Österreich mit Macht in der Vergangenheit sehr viel Positives bewegt hat.

Kurt Seinitz (Außenpolitik): Wir sehen unsere Rolle auch darin, Politiker, die sehr leicht auf den Wolken dahinschweben und den Boden zur Realität verlieren - das ist eine Gefahr, die alle Politiker betrifft - wieder auf den Boden der Realität zurückzuholen. Das machen wir mit unseren Kommentaren und gelegentlich müssen wir einen scharfen Ordnungsruf erteilen, wie in der Sonntagszeitung mit den doppelt/dreifachen Auslandsreisen und dem Gerangel um die besten Auslandstermine zwischen Bundespräsident, Bundeskanzler und Außenministerin. Der Titel ist kurz und bündig: "Klestil, Schüssel, Ferrero: So blamieren sie uns im Ausland". Weil im Ausland lacht man bereits darüber. Ja, weil mich der Klestil gefragt hat, ob das eine Richtungsänderung ist der Zeitung, dass er jetzt befürchten muss, dass er auf die Dauer durch den Kakao gezogen wird. Und ich hab’ ihm gesagt, das ist ein Ordnungsruf. Also wenn sich der Tatbestand zum Positiven ändert, wird alles wieder normal.

Wolf Martin ("In den Wind gereimt"): Das sind die Bücher, die im Laufe meines Lebens zu sammengekommen sind. Speziell deutsche Klassiker, Lyrik, ramatik. Goethes gesammelte Werke natürlich in vielen Bänden. Und unter anderem auch schon spezieller Richard Wagners gesammelte Werke, ich bin ein großer Wagner-Fan. Hier geht es weiter, im Speziellen, also die ganze Geschichte des Zweiten Weltkriegs. Dann gibt’s eine Dokumentation "Kunst und Kultur im Dritten Reich". Diese vier Bände umfassen praktisch sämtliche Reden von Adolf Hitler. Mein innerster Anspruch ist eigentlich der des Widerspruchs, des Revolutionärs geradezu, des Provokateurs, des Aufzeigens von unangenehmen Wahrheiten.

Andreas Mölzer (FP-Denker, Kolumnist): Ich glaube, dass der Aufstieg Jörg Haiders und der Freiheitlichen seit 1986 untrennbar auch mit der "Kronen Zeitung" verbunden ist. In dem Maße, in dem diese Oppositionspartei, diese Oppositionsbewegung Missstände aufgezeigt hat in dem verkrusteten politischen System, in dem Maße, in dem sie Bürgerprotest artikuliert haben, hat das auch die "Kronen Zeitung" traditionell aus ihrer Linie transportiert und artikuliert. Und das hat der freiheitlichen Partei natürlich sehr viel genützt, weil es damit ein großes Medium gab, das die Themen auch immer wieder populär behandelt hat.

Jörg Haider: Die "Kronen Zeitung" weiß, was ihre Leser wollen, und ich weiß, was die Österreicher wollen. Und damit hat die "Kronen Zeitung" gut gelebt, und damit habe ich gut gelebt.

Dichand: Der Haider ist tüchtig genug. Der hätte sich auch gegen die "Kronen Zeitung", so weit eben, wie er eben jetzt ist, durchsetzen können. Wir haben - ob wir ihm geholfen haben, weiß ich nicht. Wir helfen gerne Leuten, die also normal auftreten in unserer Demokratie, nach demokratischen Grundsätzen handeln. Gegen die haben wir nichts. Aber helfen wollen wir eigentlich nur unseren Lesern.

Regisseurin Nathalie Borgers: Was würde passieren, wenn mehrere Redakteure nicht mit dem Chef, wie sagt man das, übereinstimmen?

Kurt Seinitz: Ja, dann würden sie sicher redaktionelle Solidarität üben und sich zurückhalten mit ihrer Meinung, die halt - die nicht übereinstimmt.

Borgers: Die "Kronen Zeitung" ist sehr hart gegen Schüssel. Warum ist das so? Mit Bundeskanzler Schüssel, also ...

Dieter Kindermann (Innenpolitik): Ja, ah, ... können wir mal "off record" reden?

Dichand: Wenn er (Kanzler Wolfgang Schüssel, Anm.) meint, es ist richtig, gegen Mehrheiten zu regieren, dann meinen wir das eben nicht. Und sagen es ihm auch. Und so kann er ja - und er weiß es ja auch. Er muss... wir sind einander nicht so feindlich gesinnt, dass wir sagen könnten, also wir sind Feinde auf ewig. Er müsste nur seine Politik ändern.

Dichand bei Kaffee und Kuchen in der Hofburg mit Bundespräsident Thomas Klestil: Wir waren eigentlich beide der Meinung, dass es schlecht ist, wenn es zu dieser Regierung kommt. Das haben wir in aller Offenheit natürlich gesagt. Es hat sich ja auch gezeigt an den Folgen, dass wir eigentlich schon Recht gehabt haben, nicht? Diese Sanktionen und alles.

Klestil: Also, ich muss schon sagen, ich hab’ mich zwar v ier Monate lang bemüht, andere Koalitionen zuwege zu bringen, aber als dann die Mehrheitsverhältnisse im Parlament diese Regierung als einzige Möglichkeit offen gelassen haben, habe ich sie natürlich angelobt. Wir haben eine Regierung, die vom Bundespräsidenten angelobt wurde und daher voll unterstützt wird.

Klestil: Danke vielmals. Ich bedanke mich für dieses Vertrauensverhältnis, das sich da entwickelt und gefestigt hat.

Dichand: Ich freu' mich sehr darüber.

Klestil: Und wir werden das schon zum Wohl des Landes ...

Dichand: So gut es nur geht. ... Wiederschaun. - Wiederschaun. Danke!

Klestil: Schöne Grüße von meiner Frau. Sie sagt, sie steht immer zur Verfügung, wenn ...
(DER STANDARD, Printausgabe, 24.10.2002)

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    foto: foto: standard/planet tv
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