9/11-Prozess: Motassadeq gibt Geldüberweisung zu

23. Oktober 2002, 12:57
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5000 Mark an Todespiloten Alshehhi - Terrorismus-Prozess gegen 28-Jährigen in Hamburg fortgesetzt

Hamburg - Am zweiten Verhandlungstag im Hamburger Terrorismus-Prozess hat der Angeklagte Mounir Motassadeq am Mittwoch eingeräumt, 5000 Mark (rund 2550 Euro) für den späteren Todespiloten Marwan Alshehhi überwiesen zu haben. Er habe Anfang 2001 ein Fax von dem mutmaßlichen Komplizen Ramzi Binalshibh aus Jemen mit der Anweisung bekommen, diese Summe zu überweisen, sagte der 28-jährige Angeklagte vor dem Hanseatischen Oberlandesgericht. In dem Fax habe gestanden: "Marwan braucht Geld." Die deutsche Bundesanwaltschaft wirft Motassadeq vor, sich als Statthalter der Todespiloten um die Finanzierung der Anschlagsvorbereitungen gekümmert zu haben.

Motassadeq muss sich als erster mutmaßlicher Komplize der Attentäter vom 11. September vor Gericht verantworten. Die Anklage legt ihm Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung und Beihilfe zum Mord in mehr als 3000 Fällen zur Last. Zum Prozessauftakt am Dienstag hatte der Marokkaner bestritten, von den Anschlagsplänen gewusst zu haben. Zugleich räumte er aber ein, im Jahr 2000 in einem Lager des El-Kaida-Netzwerks des mutmaßlichen Terroristenführers Osama Bin Laden in Afghanistan eine Ausbildung absolviert zu haben.

Auch Binalshibh war in Afghanistan

Am Mittwoch sagte Motassadeq aus, dass auch Binalshibh in Afghanistan gewesen sei. Binalshibh habe ihm gesagt, dass er über Afghanistan nach Tschetschenien wolle. Später habe er von Alshehhi erfahren, dass Binalshibh tatsächlich in Afghanistan gewesen sei. Binalshibh war nach Ansicht der Ermittler der "Cheflogistiker" der Hamburger Terror-Zelle um Mohammed Atta. Der 30-Jährige hatte Deutschland kurz vor den Anschlägen in New York und Washington verlassen. Mitte September wurde er in Pakistan gefasst und an die USA ausgeliefert.

Motassadeq räumte enge Kontakte zu allen anderen aus Hamburg stammenden mutmaßlichen Helfern der Attentäter ein. Er schilderte diese am Mittwoch jedoch als normale Freundschaften und bestritt wie schon am Vortag jegliche Kenntnis von den Attentatsplänen. (APA/Reuters)

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    Der Prozess wird voraussichtlich bis in das kommende Jahr hinein dauern. Das Gericht will mehr als 160 Zeugen vernehmen. Im Falle einer Verurteilung erwartet Motassadeq eine lebenslange Haftstrafe.

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