Österreichische Filmgeschichte: Die Anfänge bis 1945

22. Oktober 2002, 02:34
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Buchpräsentation "Das tägliche Brennen" im Metro

Wien - In ihrem 1997 erschienenen Buch "Anschluß an Morgen" haben die Filmwissenschafter Elisabeth Büttner und Christian Dewald die österreichische Filmgeschichte von 1945 bis zur Gegenwart dokumentiert. Nun legt das Duo einen zweiten Band vor. "Das tägliche Brennen. Eine Geschichte des österreichischen Films von den Anfängen bis 1945", erschienen im Residenz Verlag, wurde am Sonntag, anlässlich der Eröffnung der ebenfalls von Büttner und Dewald kuratierten begleitenden Filmretrospektive "zeitnah, weltfern", im Metro Kino präsentiert.

Die beiden Bände zusammen stellen den Versuch der Autoren dar, "über Österreich, Filme und Geschichte zu schreiben". Büttner und Dewald erheben keinen enzyklopädischen Anspruch auf Vollständigkeit - "manche Namen und Topoi, mit denen sich die österreichische Geschichte identifiziert, kommen bei uns nicht vor", so Büttner - und streben keine Geschichte der Meisterwerke, sondern eine Art Mentalitätsgeschichte an.

Kontinuität der Entwicklungen

Sie verweigern sich dabei sowohl der Idee einer abgeschlossenen Geschichtsauffassung als auch jener von einer vermeintlichen Kontinuität der Entwicklungen. Vielmehr sollen in Form einer Montage verschiedener Schreibweisen, in der die Zeitebenen nebeneinander lagern und sich verschränken, Zusammenhänge und Entwicklungen, offene und versteckte Verbindungslinien im Ästhetischen wie Gesellschaftlichen entdeckt und formuliert werden. Die Realität auf der Leinwand wird mit der Wirklichkeit der Zuschauer verknüpft.

"Das tägliche Brennen" bewegt sich entlang von Motiven und Ideensträngen. "Schauen", "Graben", "Brennen" und "Überleben" heißen die vier großen in Subkapitel weiter unterteilten Abschnitte des Bandes, in denen Filmanalysen, Künstlerbiografien, Reflexionen und historische Exkurse zu einem durchlaufenden theoretischen Strang verknüpft werden, ergänzt von einer umfassenden Filmografie der Jahre 1906 bis 1944.

Abenteuer

Die Anfänge des Kinos waren Versprechungen, Abenteuer des Entdeckens der Welt. Mit der Möglichkeit, sich plötzlich ein eigenes Bild zu machen, barg das frühe Kino emanzipatorisches Material. Diesen Versprechungen, die "bis 1945 oft nur in Rudimenten erhalten" blieben, so Büttner, folgen die Autoren. Das Cover des Buchs zeigt den Brand des Wiener Justizpalastes 1927. Der Titel "Das tägliche Brennen" bezieht sich damit, so Büttner, nicht nur auf das leicht entzündliche Material der frühen Nitrofilme, sondern ist programmatisch: "Das Brennen zieht sich durch die Geschichte." (APA)

Elisabeth Büttner und Christian Dewald, "Das tägliche Brennen. Eine Geschichte des österreichischen Films von den Anfängen bis 1945, Residenz Verlag, 520 Seiten, gebunden, 39,90 Euro
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