Gemäßigte Moslems fordern Härte gegen Radikale in Indonesien

21. Oktober 2002, 14:02
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Expräsident Wahid kritisiert Regierung - Australischer Außenminister befürchtet weitere Anschläge

Jakarta - Gemäßigte Moslemorganisationen in Indonesien haben die Regierung zu einem entschlosseneren Vorgehen gegen Radikale aufgefordert. Die Organisation Nahdlatul Ulama des ehemaligen Präsidenten Abdurrahman Wahid und die kleinere Muhammadiyah erklärten, die Behörden müssten härter durchgreifen. Radikale Muslime, die für den Terroranschlag auf Bali verantwortlich gemacht werden, seien eine Minderheit in Indonesien. Der Anschlag hatte am 12. Oktober mehr als 180 Menschen das Leben gekostet.

Wahid erklärte, der Anführer der radikalen Organisation Jemaah Islamiyah, Abu Bakar Bashir, hätte schon vor langer Zeit festgenommen werden sollen. "Ich glaube, dass Bashir ein Terrorist ist", sagte Wahid im indonesischen Radio. Wahid wurde im vergangenen Jahr von Megawati Sukarnoputri als Präsident abgelöst. Er hat seitdem mehrfach den vorsichtigen Umgang der Regierung mit radikalen Organisationen kritisiert.

Die Jemaah Islamiyah wird für den Terroranschlag auf Bali verantwortlich gemacht. Bashir, der am Samstag verhaftet wurde, hat den Vorwurf zurückgewiesen. Er liegt seit Freitag in einem Krankenhaus in seiner Heimatstadt Solo. Seine Ärzte hatten am Wochenende erklärt, er könne wahrscheinlich in den kommenden Tagen entlassen werden. Am Montag sagten sie jedoch, ein Team bestehend aus einem Kardiologen, einem Lungenspezialisten und einem Internisten werde den Zustand Bashirs beobachten. Eine Vorhersage, wann der Patient entlassen werde könne, sei nicht möglich. Die Polizei erwägt, Bashir in ein Polizeikrankenhaus in die Hauptstadt Jakarta zu bringen.

Die Verhaftung Bashirs erfolgte in Zusammenhang mit Bombenanschlägen auf Kirchen vor zwei Jahren. Wie sein Anwalt Djoko Trisno Widodo am Montag mitteilte, wird Bashir auch ein Mordkomplott gegen Präsidentin Megawati vorgeworfen.

Der australische Außenminister Alexander Downer warnte am Montag in einer Rede vor dem Parlament in Canberra, dass Bashirs Verhaftung und die mögliche Festnahme weiterer Extremisten zu neuen Anschlägen in Indonesien führen könnte. Die in Indonesien lebenden Australier sollten deshalb vorsichtig sein.

Die meisten der Opfer des Anschlags auf Bali waren Australier. Nach jüngsten Angaben wurden 92 Australier getötet oder gelten noch als vermisst. Unter den Opfern waren auch mindestens eine Deutsche sowie drei Schweizer.(APA/AP)

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    Wahid verlangt Härte gegenüber moslemischer Extremisten

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