Silvia Fuhrmann wird in der ersten Reihe gebraucht

21. Oktober 2002, 08:58
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Der 21-jährige "Jungstar" soll der ÖVP junge WählerInnen bringen

Die Broschürenpräsentation zum Jugendwahlkampf mit dem Kanzler am Dienstag. Die Pressekonferenz mit Kanzler und Bildungsministerin am Mittwoch. Die Vorstellung des Wahlkampfbusses mit ihrem riesengroßen Konterfei und dem des Kanzlers am Samstag. Die Rede beim ÖVP-Kongress am Sonntag: Silvia Fuhrmann hat derzeit jede Menge wichtige Termine - wird der "Jungstar" (Wolfgang Schüssel) doch überall vorgezeigt.

Beim Kongress in Alpbach saß die 21-Jährige in der ersten Reihe neben dem Kanzler und nahm Glückwünsche zu ihrem Auftritt entgegen: Hatte die Chefin der Parteijugend (JVP) doch mitten zwischen ÖVP-Ministern eine Kongressrede halten dürfen. Und diese durchaus souverän absolviert.

Wenig Wunder: Fuhrmann kann mit ihren 21 Jahren schon auf eine sechsjährige Politkarriere zurückblicken. Ehrgeizig arbeitete sie sich von der Landesschulsprecherin über die Obfrau der ÖVP-nahen Schülerunion zur JVP-Bundessekretärin hoch, bis sie es im Vorjahr als erste Frau an die Spitze der JVP schaffte. "Schon in der Schule hat mich Politik mehr interessiert als Mathe", nennt die junge Frau mit der braven Bobfrisur ihre Motivation. Dazu kam das Vorbild, der Opa, VP-Ortschef in Fuhrmanns burgenländischem Heimatort Weiden am See. Den Ausschlag gab aber ihr Credo: "Sudern nützt nichts, man muss etwas tun."

"Ich suche nicht absichtlich den Konflikt"

Das klingt aufmüpfiger, als die Hobbyläuferin ist. Denn durch rebellische Aktionen ist die JVP-Chefin bisher nicht aufgefallen: Nur leise hat sie Studiengebühren oder die Nachfolgeregelung für den Schwulenparagrafen 209 kritisiert - viel öfter aber die Parteilinie gelobt. "Ich suche nicht absichtlich den Konflikt, das liegt mir nicht", beschreibt sich die Jungpolitikerin selbst.

Konflikte suchen ist jetzt auch nicht ihre Aufgabe. Die Betriebswirtschafts- und Publizistikstudentin soll für die ÖVP Jungwähler suchen. Eine nicht ganz leichte Aufgabe: Nur 14 Prozent der unter 29-Jährigen haben bei der letzten Nationalratswahl schwarz gewählt. Diesmal sollen es mehr werden, dabei setzt die Partei auf Fuhrmann - und diese auf ihren Bus: Jeden Tag wird sie mit ihm herumtingeln und im jugendgerechten Neudeutsch "Fair Cash" (bessere Verteilung des Lebensverdiensts) und "Fair Future" (Jugendverträglichkeitsprüfung für Gesetze) versprechen.

Ob sich das für die ÖVP lohnt, wird sich am Wahltag weisen. Ob es sich für Fuhrmann lohnt, zeigt sich kommende Woche - wenn Schüssel seinem "Jungstar" einen Platz auf der Bundesliste verschafft. Das ist Fuhrmanns einzige Chance auf ein Ticket für den Nationalrat, denn "ihre" Burgenländer haben die Studentin nicht berücksichtigt. Was Silvia Fuhrmann aber, ganz Politikerin, für nicht so wichtig erklärt: "Mir geht es nicht um ein Amterl, mir geht es um die Sache."

(Eva Linsinger, DER STANDARD, Print-Ausgabe vom 21.10.2002)

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    Silvia Fuhrmann: Wird sie JungwählerInnen motivieren können?
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