Evangelische Kirche sucht politische Linie

20. Oktober 2002, 22:15
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Heikler Umgang mit Freiheitlichen

St. Pölten - Zwei heiße Eisen haben sich die Evangelischen Kirchen für ihre Synoden in St. Pölten ausgesucht: Diese Woche soll über zwei Erklärungen debattiert werden - eine zum Verhältnis Kirche und Demokratie, die andere zur Verständigung zwischen Österreich und Tschechien.

Vor allem Letztere ist besonders heikel. Dementsprechend vorsichtig äußerte sich der evangelische Bischof Herwig Sturm vor der Tagung. "Es ist eine sehr gründliche Aufarbeitung der gegenseitigen Vorurteile und ein Eingeständnis von Schuld auf beiden Seiten", erklärte er im Gespräch mit dem STANDARD. Ob dies aus dem freiheitlichen Lager innerhalb der evangelischen Kirche torpediert werden könnte? Sturm: "Das werden wir sehen. Ich bin optimistisch, dass die Erklärung abgesegnet wird." Zur Unterzeichnung am Mittwoch kommt extra eine Delegation der tschechischen Kirche.

"Kirche und Demokratie" stellt spätestens seit der tief greifenden Kampagne, vor allem auch aus den eigenen Reihen, gegen die evangelische Superintendentin Gertraud Knoll, ein Problemfeld dar. Einen direkten Konnex will Bischof Sturm aber nicht sehen: "Sagt man ,Lex Knoll', ist es ja sofort wieder in irgendwelchen parteipolitischen Auseinandersetzungen. Genau das wollten wir vermeiden." In der Demokratie habe man eine hohe Verantwortung der Mitgestaltung. Die Kirchen seien, auch als Teil der Zivilgesellschaft, daher natürlich auch gefordert. Eines, so Sturm, ist aber seit längerem ausgeschlossen: "Ein hauptamtliches politisches Amt ist mit einer kirchlichen Funktion unvereinbar." Auch hier ist der Bischof optimistisch, eine Einigung zu erzielen. (pm/DER STANDARD, Printausgabe, 21.10.2002)

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