Djukanovic siegt in Montenegro klar

22. Oktober 2002, 14:57
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Präsident will die "allmähliche Loslösung" von Serbien beschleunigen

Milo Djukanovic hat es geschafft: Nach einer zwei Jahre dauernden Regierungskrise hat seine "Liste für ein europäisches Montenegro" bei den vorgezogenen Parlamentswahlen am Sonntag die absolute Mehrheit gewonnen.

"Niemand kann uns mehr erpressen", erklärte Präsident Djukanovic, als die vorläufigen Endergebnisse bekannt wurden. Man werde sich nicht länger mit Minderheitsregierungen und unangenehmen, wechselnden Koalitionspartnern "abquälen" und "kostbare Zeit" verlieren müssen. Endlich könne die Regierung ihren "friedlichen" Kurs der "allmählichen Loslösung aus dem Staatenbund mit Serbien", der "Annäherung an Europa" und der "Wirtschaftsreformen" fortsetzen.

Die Anhänger des Präsidenten feierten nach der Wahlnacht auf den Straßen der Hauptstadt Podgorica: Man jubelte, sang montenegrinische Weisen und ballerte vor Freude aus allen möglichen Feuerwaffen in die Luft - man hat die politischen Feinde von der projugoslawischen "Koalition für einen Wechsel" haushoch geschlagen.

Ungehinderte Regentschaft

Mit 39 von insgesamt 75 Mandaten im Parlament kann Djukanovic nun ungehindert regieren. Zusätzlich kann er noch auf die Unterstützung von zwei albanischen Abgeordneten rechnen. Auf der anderen Seite hat die proserbische, föderalistische "Koalition für einen Wechsel" und der mit ihr verbündete "Liberale Bund" (LSCG), der sich für die Unabhängigkeit Montenegros einsetzt, 34 Mandate gewonnen. Die rechtsextreme "Patriotische Koalition für Jugoslawien" scheiterte mit etwa 700 Stimmen knapp an der Drei-Prozent-Hürde. Die Wahlbeteiligung von 78 Prozent, meinen Analytiker vor Ort, zeugt von der "leidenschaftlichen Feindseligkeit" der beiden Blöcke.

Die Ursache für den überzeugenden Sieg Djukanovics ist im Bündnis der einstigen Milosevic-Föderalisten und des sezessionistischen LSCG zu suchen, der wegen diesem "Pakt mit dem Teufel" fast die Hälfte seiner Wähler verloren hat. Die negative Kampagne, die Djukanovic als einen "Mafiaboss" bloßstellen sollte, konnte die Bürger nicht überzeugen. Die traditionellen Wähler des LSCG haben für den Präsidenten gestimmt, in dem sie die letzte Chance für die Selbstständigkeit Montenegros sehen. (DER STANDARD, Printausgabe, 22.10.2002)

Von Andrei Ivanji aus Podgorica
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    Milo Djukanovic

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