Prozess gegen Mafia-Fahnder geht weiter

20. Oktober 2002, 22:46
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Dem führenden EDOK- Beamten wird wiederholter Amtsmissbrauch vorgeworfen

Wien - Morgen, Dienstag, wird im Wiener Landesgericht der Prozess gegen den führenden Beamten der mittlerweile aufgelösten Einsatzgruppe zur Bekämpfung der Organisierten Kriminalität (EDOK) fortgesetzt. Dem 51-jährige Oberstleutnant Josef B. wird wiederholter Missbrauch der Amtsgewalt angelastet.

Er soll nicht gegen einen mutmaßlichen polnischen Mafia-Paten ermittelt haben. Obwohl er von deutschen und polnischen Kollegen von konkreten Verdachtsmomenten gegen Jeremiasz B., der seit vielen Jahren in Österreich lebt und 1998 eingebürgert wurde, erfahren hatte.

Der Geschäftsmann und angebliche Mafioso soll gleich hinter mehreren Mordanschlägen stecken. Diesbezügliche Erhebungen der von der Kriminalabteilung Niederösterreich ins Leben gerufenen "Soko Nord", die im Sommer 2001 schließlich auch zu seiner Festnahme führten, sollen von dem Fahnder geradezu "torpediert" worden sein.

Als es eng wurde, soll Josef B. sogar den Versuch unternommen haben, Jeremiasz B. im Zeugenschutzprogramm des FBI unterzubringen. Grund: Der 57-Jährige war jahrelang V-Mann der EDOK.

Brisante Zeugen

Als Zeugen werden unter anderem der Chef des Bundeskriminalamts (BKA), Herwig Haidinger, und Staatsanwalt Walter Geyer erwartet, der die Ermittlungen gegen Jeremiasz B. leitet und ihn des Mordes anklagen wird. Auch der prominente Verteidiger des angeblichen Paten muss in den Zeugenstand. Geladen ist schließlich auch jener FBI-Mann, den Josef B. kontaktiert hatte. (APA/DER STANDARD, Printausgabe, 21.10.2002)

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