Ermittlungsverfahren gegen Leni Riefenstahl eingestellt

18. Oktober 2002, 18:08
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Staatsanwalt sieht "kein öffentliches Interesse" für Strafverfolgung

Frankfurt/Main - Das Ermittlungsverfahren gegen die umstrittene Filmemacherin Leni Riefenstahl ist wegen geringer Schuld eingestellt worden. An der Strafverfolgung bestehe kein öffentliches Interesse, sagte der Sprecher der Frankfurter Staatsanwaltschaft, Job Tilmann. Das Verfahren sei deshalb mit Zustimmung des Gerichts eingestellt worden. Die Ermittlungen hatten sich auf den Vorwurf der Volksverhetzung und Holocaust-Leugnung sowie der Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener bezogen.

Der Verein Rom e.V. hatte die 100-Jährige Mitte August angezeigt, weil sie - bezogen auf ihren zwischen 1940 und 1942 entstandenen Spielfilm "Tiefland" - in einem Interview der "Frankfurter Rundschau" erklärt hatte, "alle Zigeuner, die in 'Tiefland' mitgewirkt haben, nach Kriegsende wiedergesehen" zu haben. Tatsächlich seien aber die meisten als Komparsen Mitwirkenden in nationalsozialistischen Konzentrations- und Vernichtungslagern umgebracht worden, so die Staatsanwaltschaft.

Riefenstahl habe zwar den Tatbestand der Verunglimpfung Verstorbener erfüllt, weil sie das Schicksal dieser Menschen in Abrede gestellt habe, erklärte Oberstaatsanwalt Tilmann. Sie habe sich aber in einer Unterlassungserklärung verpflichtet, die "inkriminierende Behauptung" nicht länger aufzustellen. Nach Tilmanns Worten rechtfertigt dies sowie das hohe Alter der Beschuldigten die Einstellung des Verfahrens.(APA/AP)

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