Kampagne gegen Ölmulti Esso

17. Oktober 2002, 20:24
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Die Konzern-Politik des Öl-Multis wird heftig kritisiert - Fünf NGOs schließen sich der Aktion gegen Esso an und rufen zum Boykott auf

Wien - Greenpeace, Amnesty International, Attac, die Österreichische Hochschülerschaft und Südwind Entwicklungspolitik beteiligen sich mit einer österreichweiten Aktionswoche vom 19. bis 26. Oktober an einer internationalen Kampagne gegen den texanischen Öl-Weltmarktführer ExxonMobil, der in Europa unter Esso firmiert.

Der Konzern habe sich mit Wahlkampfspenden die Gunst von US-Präsident George W. Bush erkauft und diesen zur Nichtunterzeichnung des Kioto-Protokolls bewegt. Der Multi leugne als einziger Mineralölkonzern den Klimawandel. ExxonMobil, respektive Esso, investiere anders als Shell und BP keinen Cent in erneuerbare Energien und nehme bei der Suche nach neuen Förderstätten wenig Rücksicht auf Menschenrechte, lokale Kulturen und politische Probleme der jeweiligen Staaten. 13 Jahre nach dem verheerenden Tankerunfall der Exxon Valdez vor Alaska gebe es nach wie vor keine Entschädigung für die Opfer, keinen Schutz für die Meere.

Von zwei Seiten in der Mangel

Die NGOs wollen Esso von zwei Seiten in die Mangel nehmen: "Unser Wunsch ist, dass Leute nicht mehr bei Esso tanken", sagte Greenpeace-Geschäftsführer Bernhard Drumel. Weiters, so die Hoffnung, würden die Finanzmärkte auf Negativschlagzeilen mit Kursabschlägen für die Ölaktie reagieren. Eine Analyse der Deutschen Bank, die vor allem in den erfolgreichen britischen Boykottaufrufen gegen Esso ein ernstes "Risiko für die Marke" sieht, wird als erster Erfolg gefeiert.

Esso-Austria-Chef Franz Hartmann kennt und bestreitet die Vorwürfe: "Die Wahrung von Menschenrechten ist oberste Konzernpolitik. Umweltschutz ist uns wichtig, aber zu fossilen Energieträgern gibt es in den nächsten 30 Jahren keine wirtschaftliche Alternative." In Österreich gibt es 200 Esso-Tankstellen. Der Konzerngewinn liegt bei 15 Milliarden US-Dollar. (miba/DER STANDARD Print-Ausgabe, 18.10.2002)

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    montage: derstandard.at
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