My Travel: Übernahmegerüchte nach Prognosesenkung

17. Oktober 2002, 19:22
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Aktienkurs brach zeitweise um mehr als 80 Prozent ein - TUI, First Choice und US-Konsortium mögliche Interessenten

London/Hannover - Der britische Touristik-Konzern MyTravel hat mit der dritten Rücknahme seiner Gewinnerwartung in Folge für das abgelaufene Geschäftsjahr am Donnerstag neue Spekulationen über seine Übernahme ausgelöst. Der Aktienkurs brach an der Londoner Börse zeitweise um mehr als 80 Prozent auf 14 Pence (0,223 Euro) ein.

Branchenanalysten in London sahen den früheren Airtours-Konzern deshalb als möglichen Übernahmekandidaten. Als möglicher Interessent wurde unter anderem der deutsche Weltmarktführer TUI genannt, dessen Sprecher dies allerdings als reine "Spekulationen" wertete. Als weiterer potenzieller Interessent gilt in London der britische Reisekonzern First Choice Holidays, den MyTravel vor einigen Jahren noch selbst übernehmen wollte. Darüber hinaus wurde vor einigen Tagen von der britischen Zeitung "Observer" auch ein Bieter-Konsortium aus den USA genannt.

Der nach TUI und der ebenfalls deutschen Thomas Cook AG drittgrößte europäische Reisekonzern teilte am Donnerstag in London mit, die Gewinnerwartung für das Ende September abgelaufene Geschäftsjahr 2001/2002 sei erneut zurückgenommen worden, da "eine Anzahl von zusätzlichen Sachverhalten ans Licht gekommen sind", die weitere Prognosesenkungen zur Folge haben könnten. Zugleich bestellte der Konzern mit Peter McHugh seinen bisherigen Nordamerika-Chef zum Nachfolger des in der vorigen Woche ausgeschiedenen Chief Executive (CEO) Tim Byrne.

Es gebe potenziellen Revisionsbedarf in einer Größenordnung von 15 bis 30 Mill. Pfund, "und dies könnte in weitere Rückstufungen münden", teilte MyTravel mit. Erst im Mai und im September hatte MyTravel die Gewinnprognosen gesenkt. Unternehmenschef und Gründer David Crossland hatte nach der Trennung von Byrne in der vergangenen Woche mit einer detaillierten Durchsicht der Aktivitäten und Bilanzen des Konzerns begonnen.

Analysten erklärten, die Probleme bei MyTravel seien kein Signal für Probleme der ganzen Touristikbranche. Sie würden daher nicht auf den deutschen Konkurrenten TUI abfärben: "MyTravel hat auf den ersten Blick ein hausgemachtes Problem, das ist kein sektorspezifisches. Die haben Probleme mit der Rechnungslegung. Deswegen fällt die Aktie so stark. Zudem sind die Aussagen des Unternehmens sehr nebulös." MyTravel habe jegliche Glaubwürdigkeit verloren.

Als Hauptproblem bei MyTravel gelten neben der offensichtlich unzulänglichen Rechnungsführung auch die Strategie, fast ausschließlich auf preiswerte Reisen zu setzen. Dagegen versuchen TUI und Thomas Cook bei ihren Konzerntöchtern in Großbritannien inzwischen, mit einem strikten Management Überkapazitäten klein und damit die Preise stabil zu halten. "MyTravel bleibt nichts anderes übrig, als seine Kapazitäten anzupassen", sagte Christian Obst, Touristikanalyst der Hypovereinsbank. (APA/Reuters)

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