Umstrittene Polizeireform in Wien vorläufig abgeschlossen

16. Oktober 2002, 14:21
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Ex-Chef des Sicherheitsbüros Edelbacher: "Gewaltiger Abstieg"

Wien - In Sachen Dramatik und Spannung könnte sich Krimiautor Wolf Haas derzeit bei der Wiener Polizei Anregungen holen. Die umstrittene Totalreform von Innenminister Ernst Strasser (VP) wurde Dienstag mit neuen Personalentscheidungen vorläufig abgeschlossen.

Der bisher ranghöchste Kriminalist in Wien, Walter Schubert, taucht in der Liste der Neubesetzungen überhaupt nicht mehr auf. Zu den Gewinnern zählt unter anderem Peter Jedelsky, der vom Kriminalpolizeilichen Beratungsdienst in das Leitungsbüro des neuen Kriminalamts (= höchste kriminalistische Instanz) übersiedelt. Auch der bisherige Vizechef des Wiener Sicherheitsbüros, Ernst Geiger, hat Grund zur Freude: Er wird Vorstand der Kriminaldirektion 1 - einer von drei künftigen Hochburgen der Wiener Kriminalisten.

Geigers bisheriger Chef, Maximilian Edelbacher, der als einer von wenigen die Reform immer wieder offen infrage gestellt hatte, wird das Kriminalkommissariat Süd - eines von fünf Hauptkommissariaten - übernehmen. Geiger und Edelbacher tauschen also die Hierarchiebene.

"Ich bin traurig, weil die Institution Sicherheitsbüro aufgelöst wird", meinte Edelbacher. Sein bevorstehender Wechsel sei wohl "ein gewaltiger Abstieg", aber: "Dass ich nicht auf die Siegerseite falle, damit war ja zu rechnen."

Auch neue Leiter der von 23 auf 14 abgespeckten Polizeikommissariate wurden ernannt. Dabei gibt es, mit Ausnahme von Michael Lepuschitz, der bisher das Kriminalbeamteninspektorat und künftig das Polizeikommissariat für Meidling und Hietzing leitet, keine echte Überraschung.

Für die schon vor eingen Wochen provisorisch bestellte höchste Ebene wird es ab Freitag spannend: dann beginnt die offizielle Ausschreibungsfrist von einem Monat. Von der Polizeivizepräsidentin Michaela Pfeifenberger abwärts sind 23 Posten in der Direktion ausgeschrieben. Die Frage ist: Werden die Chefs bis zu den Nationalratswahlen am 24. November auch per Begutachtungskommission offiziell fixiert? Theoretisch bleiben dafür drei Monate Zeit. Fällt erst nach der Wahl die Entscheidung, könnte es im Fall eines Regierungswechsels heißen: Aus, stopp, retour. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 16.10.2002)

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    Max Edelbacher

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