Gamma-Bursts: Erstmals in den sechziger Jahren entdeckt

15. Oktober 2002, 11:19
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Darmstadt - Der Blitz muss die Amerikaner ganz schön nervös gemacht haben. 1967, wenige Jahre nach dem weltweiten Verbot oberirdischer Atombombenversuche, registrierten die von den USA zur Überwachung des Verbots eingesetzten Vale-Satelliten einen kurzen Ausbruch von Gamma-Strahlen - wie sie typisch sind beim Zünden einer Atombombe. Die Schrecksekunde der Amerikaner dauerte fünf Jahre lang. Erst 1972 publizierten sie das Ereignis.

In diesen fünf Jahren fanden die US-Wissenschafter heraus, dass der Gamma-Burst von 1967 nicht von einem russischen Atomtest stammte und die Strahlen nicht von der Erde kamen - ja nicht einmal aus unserem Sonnensystem oder unserer Galaxie, wie sich später herausstellte. Die Militär-Satelliten hatten ein völlig neues, bis dahin unbekanntes astronomisches Phänomen entdeckt, das bis heute zu den rätselhaftesten Erscheinungen unseres Kosmos zählt.

In den folgenden Jahren wurden immer mehr solcher Gamma-Ausbrüche gemessen. Sie dauern von Bruchteilen einer Sekunde bis zu 90 Minuten, werden dabei zu den leuchtstärksten Objekten am Gamma-Strahlen-Himmel und scheinen sich doch nie zu wiederholen. Angesichts der großen Leuchtkraft der kosmischen Blitze und der Tatsache, dass solche Gamma-Ausbrüche nur bei sehr heftigen Ereignissen entstehen, war den Wissenschaftern klar, dass es sich bei diesen kurzwelligen Strahlen um Boten gewaltiger kosmischer Katastrophen handeln musste.

Doch es sollte noch 25 Jahre dauern, bis die Forscher erste Hinweise darauf fanden, was diese gewaltigen Blitze auslöste: 1997 registrierte der Satellit Beppo-Sax einen Gamma-Burst. Bei der Europäischen Südsternwarte ESO richtete man daraufhin die Teleskope auf diese Himmelsregion und entdeckte genau an dem Ort, von dem die Gamma-Strahlen herkamen, eine Supernova, eine gewaltige Explosion am Ende eines Sternenlebens. Es handelte sich dabei um eine ungewöhnlich starke Supernova, viel stärker als die meisten zuvor registrierten. Die Experten waren sich einig, dass der Gamma-Blitz und die Sternenexplosion zusammenhängen müssen.

Mittlerweile sind sich die Astronomen sicher, dass die Gamma-Bursts Blitzlichter von unvorstellbaren kosmischen Gewaltereignissen sind. Mögliche Verursacher neben den extrem starken Supernovae, so genannte Hypernovae, sind Kollisionen von zwei sehr massereichen Himmelsobjekten. Dafür in Frage kommen etwa Neutronen-Sterne, deren Materie extrem dicht zusammengepackt ist, oder schwarze Löcher.

Vom neuen ESA-Satelliten Integral erhofft man sich neue Aufschlüsse über die Gamma-Bursts, ihre Herkunft und Entstehung. Im Schnitt rechnen die Wissenschafter damit, einmal pro Monat einen Gamma-Blitz zu registrieren. Für diesen Fall wurde ein weltweites Kommunikationsnetz geschaffen, sodass jede astronomische Einrichtung, die will, ihre Instrumente auf das Herkunftsgebiet des Blitzes richten kann.(APA)

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