Umstrittene Misswahl

14. Oktober 2002, 09:11
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Erste "Miss Tibet" soll auf Freiheitskampf aufmerksam machen - Chancen für Frauen inklusive

Dharmsala/Indien - In Indien haben Exil-Tibeter erstmals eine Schönheitskönigin gewählt, um auf den Freiheitskampf ihres Volkes aufmerksam zu machen. Zum Abschluss einer dreitägigen Veranstaltung wurde die 19-jährige Dolma Tsering am Samstag in Dharmsala zur ersten "Miss Tibet" gekrönt. Nur vier Bewerberinnen nahmen an der politisch umstrittenen Wahl teil. KritikerInnen zufolge wurde dabei tibetische Tradition gebrochen und das Streben nach Unabhängigkeit trivialisiert.

Materialistische Veranstaltung

Ins Kreuzfeuer der Kritik geriet vor allem eine Runde, die die Mädchen im Badeanzug drehen mussten. Samdhong Rinpoche, der Ministerpräsident der tibetischen Exilregierung, nannte die Veranstaltung "materialistisch". Die Organisatoren hingegen sagten, sie wollten mit der Misswahl neue Chancen für junge Frauen eröffnen und auf die politische Situation in ihrer Heimat aufmerksam machen. Bei ihrer Krönung erschien Tsering in der traditionellen Kleidung ihres Volkes, der Chuba. Sie erhielt tosenden Applaus. Im Dezember soll das Fotomodell für Tibet in Kolumbien an der Wahl der "Miss Tourismus" teilnehmen.

Nach dem Scheitern der tibetischen Aufstandes gegen die chinesische Herrschaft floh der Dalai Lama ins indische Exil. Ihm folgten mehr als 130.000 seiner Landsleute. Die meisten von ihnen leben in Dharmsala. (APA)

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