USA verlegen weitere Armee-Einheiten nach Kuwait

12. Oktober 2002, 15:55
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UNO-Sicherheitsrat debattiert am Mittwoch über Irak-Resolution

Washington - Kurz nach der Zustimmung des US-Kongresses zu einem möglichen Irak-Krieg hat Washington die Verlegung weiterer Soldaten in die Golfregion angekündigt. Zwei Hauptquartiere von Boden- und Spezialeinheiten sollten nach Kuwait verlegt werden, teilten Vertreter des US-Verteidigungsministeriums am Freitag (Ortszeit) mit. Knapp tausend US-Soldaten seien betroffen. Für Mittwoch wurde auf Antrag der blockfreien Staaten eine öffentliche Debatte im UNO-Sicherheitsrat über die Irak-Frage angesetzt. Die irakische Regierung deutete unterdessen an, dass die Waffenkontrollen auch auf die Präsidentenpaläste ausgeweitet werden könnten.

Mit der Verlegung der beiden Hauptquartiere solle die Entsendung größerer Bodentruppenkontingente vorbereitet werden, falls Bush einen Angriff auf den Irak befehle, sagte ein Vertreter des Pentagon. Es handle sich um das Hauptquartier des in Heidelberg stationierten fünften Korps der US-Armee in Europa sowie das Hauptquartier des im US-Bundesstaat Kalifornien stationierten ersten Marineinfanteriekorps. Beide Einheiten kämpften bereits im ersten Golfkrieg 1991 und waren auch in Somalia und auf dem Balkan im Einsatz.

Die US-Regierung wies die Forderung Bagdads zurück, Ende nächster Woche die UNO-Waffeninspektionen wiederaufzunehmen. Bei dem Brief des irakischen UNO-Botschafters Mohammed el Duri an den obersten UNO-Waffeninspekteur Hans Blix handle es sich um "anderthalb Seiten Rhetorik" ohne eine konkrete Zusage, sagte ein Vertreter des US-Außenministeriums. El Duri hatte die UNO zuvor zu einer raschen Rückkehr der Waffenkontrolleure aufgefordert. Diese könnten wie geplant am 19. Oktober ihre Arbeit aufnehmen.

Das irakische Schreiben war eine Antwort auf einen Brief von Blix und der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), in dem Bagdad aufgefordert wurde, die Anfang Oktober in Wien getroffenen Vereinbarungen schriftlich zu bestätigen. Bei dem Treffen waren die umstrittenen Präsidentenpaläste von Saddam Hussein zunächst ausgeklammert worden.

Der Irak ist offenbar nun aber doch bereit, die Paläste kontrollieren zu lassen. Das deutete der irakische Vize-Präsident Taha Yassin Ramadan in der neuen Ausgabe des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" an. "Von uns aus mögen die Inspektoren suchen und inspizieren, wie und wo immer sie möchten."

Einen Tag nach dem Votum des US-Kongresses für einen möglichen Irak-Krieg auch ohne UNO-Mandat hat die Regierung in Bagdad das Parlament zu einer Dringlichkeitssitzung zusammengerufen. Ein Grund für die Zusammenkunft am Samstagabend wurde zunächst nicht genannt. Es wurde jedoch erwartet, dass es dabei um eine irakische Reaktion auf den Beschluss des US-Kongresses gehen würde. Nach dem Repräsentantenhaus hatte am Freitag auch der US-Senat für eine Entschließung gestimmt, die den Präsidenten zum Einsatz der Streitkräfte für den Schutz des Landes gegen Irak ermächtigt. Einzige Bedingung ist, dass Bush alle diplomatischen Anstrengungen als gescheitert betrachtet. Rund 500 Moslem-Geistliche und ihre Schüler im Irak haben unterdessen den USA für den Fall eines Angriffs den "Heiligen Krieg" angedroht.

Nun sei die UNO am Zug und müsse eine Resolution verabschieden, sagte Präsidenten-Sprecher Ari Fleischer. Er dementierte einen Bericht der "New York Times", wonach die USA eine US-geführte Militärregierung nach dem Sturz der derzeitigen irakischen Führung planten. Die US-Truppen würden nicht länger als notwendig im Irak bleiben. Eine Übergangsregierung für den Irak werde der in Afghanistan gefundenen Lösung ähneln.

US-Außenminister Colin Powell sagte dazu im öffentlichen Rundfunk NPR, die Regierung prüfe derzeit mehrere "Modelle" für eine Übergangsregierung, falls diese erforderlich werde. Dabei würden Erfahrungen aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland und Japan berücksichtigt. Der ehemalige NATO-Oberbefehlshaber in Europa, US-General Wesley Clark, sagte den US-Streitkräften im Irak einen schnellen Sieg voraus. "Ich glaube, die meisten Kämpfe werden nach zwei Wochen zu Ende sein", sagte Clark dem Magazin "Focus". Er warnte Washington zugleich davor, die Streitkräfte in militärische Abenteuer zu schicken. "Ich verstehe natürlich die Sicherheitsbesorgnisse der Amerikaner, aber wir dürfen auch nicht so aggressiv vorgehen, dass wir weltweit Ressentiments und Widerstand ernten." (APA/AP/Reuters)

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