Bewährtes rotes Tuch für schwarze Außenminister

11. Oktober 2002, 17:46
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Aufregung wegen untersagter Dienstreise von neuer SP-Hoffnung und Noch- UN-Botschafter Wolfgang Petritsch

Wien - "Da herrscht im Außenamt wohl die kindische Angst, dass Wolfgang Petritsch wieder einmal die bessere internationale Presse haben könnte als die Außenministerin."

In der SPÖ herrscht Verärgerung über die kurzfristig untersagte Reise, die ihren Wiener Spitzenkandidaten in seiner Funktion als österreichischer UN-Botschafter in Genf zur Vorbereitung der UN- Vollversammlung nach New York geführt hätte. Johannes Peterlik, Sprecher von Außenministerin Benita Ferrero- Waldner, beteuert im Gespräch mit dem Standard zwar, dass seine Chefin die Reise nicht untersagt habe: "Das ist Angelegenheit des Generalsekretariates und wurde wahrscheinlich dort untersagt." Den Grund dafür kenne er nicht, so Peterlik.

Tatsächlich hatte Petritsch, wie Standard-Recherchen ergaben, nicht nur die schriftliche Genehmigung des Generalsekretariats für seine Dienstreise, sondern auch schon ein Flugticket reserviert bekommen. Er wäre Montag dieser Woche geflogen, wenn ihn nicht zwei Tage davor der Anruf eines hohen Beamten des Generalsekretariats ereilt hätte. Dieser teilte Petritsch mit, dass "auf ausdrücklichen Wunsch" der Außenministerin die Reise zu unterlassen sei. Also flog Petritsch von Wien zur Arbeit nach Genf statt nach New York.

"Ich möchte dazu gar nichts sagen, dass ist viel zu kleinkarriert", meint Petritsch dazu. Er habe lediglich dafür gesorgt, "dass der zuständige Referent nach New York gereist ist, damit das wichtige Thema der Abrüstungsfragen auch für Österreich kompetent betreut wird." Im übrigen wolle er einen fairen Wahlkampf haben, und was sein Verhältnis zu Außenministerin Ferrero-Waldner betreffe: "Ich lege Wert darauf, die korrekten beruflichen Beziehungen fortzusetzen und inhaltliche Auseinandersetzungen zu führen."

Schwarzer Faden

Davon war bisher keine Rede. Vor drei Tagen hielt die Außenministerin Petritsch vor, sich während der EU- Sanktionen "erstaunlich" verhalten zu haben, obwohl sie ihre Botschafter angewiesen hätte, deutlich dagegen aufzutreten. Petritsch erinnerte Ferrero-Waldner daran, dass er zu dieser Zeit nicht ihr unterstellt war, sondern als Hoher Repräsentant der Internationalen Gemeinschaft in Bosnien tätig war: "Wer interntional tätig ist, kann Weisungen keines Landes umsetzen. Das wäre ein Bruch aller internationaler Usancen."

Ein gespanntes Verhältnis zu VP-Außenministern zieht sich wie ein schwarzer Faden durch Petritschs Karriere. Der ehemalige Außenminister Alois Mock soll im kleinen Kreis auf die Frage, warum der talentierte Kärntner nichts werde, unverblümt geantwortet haben: "Weil er von den Roten der G'fährlichste ist." Mocks Misstrauen ging so weit, dass er Petritsch - dieser war von 1984 bis 1992 Leiter des österreichischen Presse- und Informationsdienstes in New York - unterstellte, die Fäden in der Waldheim-Affäre gezogen zu haben.

Seine diplomatische Karriere kam erst 1997 wieder in Schwung, als Petritsch Botschafter in Belgrad wurde. Aber auch das war auf der Prioritätenliste seiner Bewerbung nicht die Wunschdestination - er wäre damals lieber nach Tel Aviv gegangen. Im Nachhinein erwies sich der Balkan als richtigere Wahl: Innerhalb kürzester Zeit wurde aus dem Botschafter eines kleinen Landes einer der international am stärksten beachtete Vermittler in einem der heißesten Krisengebiete der Welt.(Samo Kobenter/DER STANDARD, Printausgabe, 12./13.10.2002)

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