Neuerliche Schlappe für Leo Kirch

11. Oktober 2002, 15:58
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Medienunternehmer zieht im Streit mit Ex-Deutsche-Bank-Chef Breuer den kürzeren

Frankfurt/Main/München - Im Streit mit der Deutschen Bank hat der Medienunternehmer Leo Kirch mit der Verfahrenseinstellung durch die Staatsanwaltschaft erneut eine Schlappe eingesteckt. Es habe in dem Interview keine "Kreditverleumdung" gegeben, betonte Oberstaatsanwalt Rainer Schilling am Freitag. Der Ex-Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank Rolf Breuer habe dabei nur straflose Werturteile geäußert.

Breuer hatte im Februar vor Journalisten gesagt, der Finanzsektor sei nicht mehr bereit, dem Medienkonzern weitere Kredite zu geben. Dies habe die Insolvenz des Kerngeschäfts KirchMedia erst ausgelöst, kritisierte Leo Kirch und zeigte den heutigen Aufsichtsratsvorsitzenden der größten deutschen Geschäftsbank an. Im Dezember wird vor dem Landgericht München über eine private Schadensersatzklage Kirchs verhandelt.

Kein Anfangsverdacht

Auch bei der Hauptversammlung der Deutschen Bank im Mai habe Breuer entgegen der Behauptungen Kirchs keine falschen Angaben gemacht, berichtete der Oberstaatsanwalt. Bei seiner letzten Hauptversammlung als Chef der Deutschen Bank hatte Breuer gesagt, es gebe keinen Anfangsverdacht gegen ihn. Auch die Schadensersatzklage sei ihm noch nicht zugestellt worden. Beide Aussagen seien richtig gewesen, sagte Schilling.

Die Staatsanwaltschaft will die Beschwerde von Leo Kirch prüfen, sobald seine Anwälte eine schriftliche Begründung eingereicht haben. Sie lag nach Angaben Schillings bis Freitagmorgen noch nicht vor. Sobald die Stellungnahme Kirchs eingegangen sei, werde erneut geprüft, ob es Ermittlungen gegen Breuer gebe. Wenn der Fall dann immer noch strittig sei, werde der Generalstaatsanwalt die letzte Entscheidung fällen, erklärte der Oberstaatsanwalt.

Ex-adidas-Chef spielt Schlüsselrolle bei Kirch Sport

Nach dem Besitzerwechsel beim Kirch-Sportrechtehandel wird der ehemalige adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus künftig bei der Vermarktung der Fußball-Bundesliga kräftig mitmischen. Louis-Dreyfus habe die Übernahme der Kirch Sport AG durch das Management zu einem Großteil finanziert und werde daher eine Schlüsselrolle spielen, sagte der Marketing-Direktor der Kirch Sport AG, John Kristick, am Freitag in München. Das Management um Ex-Fußballstar Günter Netzer bleibe aber unverändert. Auch für die Zuschauer der Fußball-Bundesliga werde sich nichts verändern.

Am Donnerstag hatte der Gläubigerausschuss der insolventen KirchMedia den Verkauf der Sportrechte an das bisherige Management der Kirch Sport AG abgesegnet. Damit setzten sich Netzer und Louis-Dreyfus gegen eine Gruppierung durch, hinter der Leo Kirch stand. Der Kaufpreis lag laut Branchenkreisen zwischen 200 und 300 Mill. Euro. Kristick wollte sich dazu nicht äußern.

Der Sportrechtehandel gehörte zu den wenigen profitablen Geschäftsfeldern der KirchGruppe. Einen Kurswechsel hält das Management daher nicht für notwendig. "Wir waren bisher erfolgreich", sagte Kristick. Jetzt gelte erst einmal die Devise "Business as usual." Die Bundesliga-Fernsehrechte der Buli GmbH sollen künftig in die Kirch Sport AG integriert werden. Chef der Gesellschaft soll der Medienmanager Oscar Frei bleiben. Günter Netzer werde nach wie vor Mitglied der Geschäftsführung sein. (APA/dpa)

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    Leo Kirch macht die Deutsche Bank für die Insolvenz seines Unternehmens mitverantwortlich.

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