Ethik und Friedensarbeit: "Sehr gut"

10. Oktober 2002, 19:21
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Seit zehn Jahren gibt es in Österreich buddhistischen Religionsunterricht

Wien - Buddhistischer Religionsunterricht wird in Österreich seit 1993 angeboten. Im vergangenen Schuljahr haben insgesamt 151 Schüler den Unterricht besucht, sieben von ihnen haben in Buddhismus maturiert.

Kurt Krammer hat vor zehn Jahren gemeinsam mit zwei Kollegen mit dem buddhistischen Religionsunterricht in Österreich begonnen. "Ursprünglich", erzählt Krammer, "stammten die Schüler vor allem aus asiatischstämmigen Familien, wo die Kinder meist noch von den Großeltern den Buddhismus vermittelt bekamen." Nun zeichne sich aber eine Wende ab: "Ein Großteil der Schüler, vor allem in Wien, kommt bereits aus österreichischen buddhistischen Familien." Immerhin bekennen sich laut Österreichischer Buddhistischer Religionsgemeinschaft 16.500 Österreicher zum Buddhismus, 1400 sind offiziell konvertiert, Tendenz steigend: Im Jahr 2001 gab es einen Zuwachs von 13 Prozent.

Den Volksschülern wird zunächst das Leben des historischen Buddha vermittelt, begleitet von "Achtsamkeitsübungen" als Vorbereitung auf die Meditation: Was sehe, höre, rieche, schmecke, fühle ich? In den höheren Klassen stehen unter anderem buddhistische Ethik, die anderen Weltreligionen, die Entwicklung des Buddhismus in Österreich, der Einfluss des Buddhismus auf westliche Denker, aber auch Gleichberechtigung von Mann und Frau, Friedensarbeit und die Nord-Süd-Problematik auf dem Lehrplan.

Unterrichtet werden die Schüler aller Altersstufen gemeinsam. Krammer: "Der Unterricht findet außerhalb der Schule, meist an Freitagnachmittagen statt. Die Schüler, die dabei bleiben, sind dann auch sehr motiviert." Ein weiterer Trend sei, dass immer mehr Schüler ohne Religionsbekenntnis am Buddhis- musunterricht teilnehmen würden.

Derzeit sind 15 Lehrer in Österreich tätig, außer in Niederösterreich und dem Burgenland gibt es in allen Bundesländern Religionsklassen. Eine buddhistische religionspädagogische Akademie befindet sich gerade in Salzburg im Aufbau. Der Zen-Buddhist Krammer ist auch Fachinspektor für den Religionsunterricht und organisiert die Fortbildung für seine Lehrerkollegen. "Eigentlich müsste ich jeden Lehrer mindestens alle zwei Jahre persönlich besuchen." Bisher hat er seine Dienstreisen aus eigener Tasche bezahlt, weil sich weder Landesschulrat noch Ministerium zuständig fühlten. Das sei natürlich nicht erfreulich, räumt Krammer ein, fügt aber gelassen hinzu: "Alles hat eben seine Dauer." (Tina Fernsebner-Kokert/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 11. 10. 2002)

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