Grüne: Tiroler Grübi-Vorstand trat geschlossen zurück

11. Oktober 2002, 15:36
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Bader: Vorwürfe an Haaren herbeigezogen - Vorstand teilweise durch Druck, teilweise freiwillig gegangen

Innsbruck - Der Vorstand der Grünen Bildungswerkstatt (Grübi) in Tirol ist am Donnerstagabend geschlossen zurück getreten. Auch der von der Partei scharf kritisierte Grübi-Tirol Leiter Wilfried Bader habe sich zu einem freiwilligen Rücktritt entschlossen, obwohl er eine diesbezügliche Aufforderung von Grünen-Parteichef Van der Bellen zuvor zurückgewiesen hatte.

Bei einer Generalversammlung am 6. Dezember soll der Grübi-Landesvorstand neu gewählt werden. Der Vorstand habe die "Notwendigkeit eines Dialoges über die in den Medien gegen Wilfried Bader erhobenen Vorwürfe" gesehen. Das dies derzeit nicht möglich sei, habe sich der Vorstand zum Rücktritt entschlossen. "Zur Weiterführung der Geschäfte werden die Angestellten als Sekretariat gemäß Paragraf 11 Absatz 5 eingesetzt", teilte die Grüne Bildungswerkstatt Tirol mit.

Auch von den Tiroler Grünen werde dieser Beschluss des Landesvorstandes unterstützt, hieß es am Freitag aus der Partei. Dies werde als "Chance für einen Neubeginn" gesehen. Eine "Schuldfrage" sei bei am Donnerstagabend nicht zur Diskussion gestanden. Über die Vorkommnisse der letzten Zeit müsse "sehr gründlich" gesprochen werden, was in den letzten Tagen nicht möglich gewesen sei.

Bader war von Van der Bellen sowie vom Bundesvorstand der Grübi zum Rücktritt aufgefordert worden, weil er palästinensische Selbstmordanschläge nicht eindeutig verurteilt hatte und damit unterschwellig Kritik laut wurde, wonach die Grünen antisemitisch agiert hätten. Die Rücktrittsaufforderung des Grünen-Parteichefs hatte Bader aber zuerst zurück gewiesen, einen freiwilligen Rückzug hatte er als "ein Eingeständnis von Schuld" bezeichnet.

Der grüne Bundesgeschäftsführer Franz Floss zeiget sich über die Demission des gesamten fünfköpfigen Vorstands der Grübi-Tirol erfreut. Damit sei ein "kompletter Neubeginn" möglich. Es habe sich um eine "verantwortungsvolle Entscheidung" und um ein "positives öffentliches Signal" gehandelt.

Bader: Vorwürfe an Haaren herbeigezogen

Der Vorwurf einer antisemitischen Haltung sei "an den Haaren herbeigezogen", reagierte der unter Beschuss geratene nunmehrige Ex-Vorstand der Grünen Bildungswerkstatt (Grübi), Wilfried Bader, am Freitag. Ihm wurde angelastet, dass er palästinensische Selbstmordanschläge nicht eindeutig verurteilt habe.

Teilweise durch Druck

Der Rücktritt Baders sowie des insgesamt achtköpfigen Vorstandsteams sei teilweise durch Druck und teilweise freiwillig erfolgt, begründete der ehemalige Grübi-Vorstand die Entscheidung von Donnerstagabend. Er, Bader, bedaure diese Entwicklung, "die den Grünen im Wahlkampf schade" - doch dies sei ihnen selbst zuzuschreiben.

Die Bundesvorsitzende der Grübi, Daniela Graf sowie der Geschäftsführer der Tiroler Grünen, Michael Bürkle seien für seine, Baders Entlassung gewesen. Der Grübi-Vorstand habe seinen "Rausschmiss" aber nicht befürwortet. Von Graf sei Druck ausgeübt worden, die Landesstelle aufzulösen. Dies hätte für die einzigen beiden fix Angestellten den Verlust ihres Arbeitsplatzes bedeutet. Da der Vorstand ehrenamtlich gearbeitet habe, habe man aus Rücksicht auf die Angestellten einen freiwilligen Rückzug des gesamten Vorstandes beschlossen.

"Lasse mir meine Meinung nicht aufoktroyieren"

Graf hatte Bader einer Statutenverletzung bezichtigt, da es nicht den Grünen Grundsätzen entspreche, in den Irak zu reisen und Terek Aziz, der einem mörderischen Regime angehöre, die Hand zu schütteln. Dazu Bader: "Ich bilde mir gerne selbst ein Urteil" und "lasse mir meine Meinung nicht aufoktroyieren".

Wenn mir jemand die Hand zur Begrüßung gibt, werde ich das nicht ablehnen, argumentierte Bader weiter. Außerdem, "wer sagt, dass es wirklich Tarek Aziz war und nicht ein Doppelgänger", sagte Bader in Anspielung auf Meldungen, wonach Kärntens Landeshauptmann Jörg Haider einem Double des irakischen Diktators Saddam Hussein die Hand geschüttelt haben soll. Wenn man nicht mehr in Länder ohne demokratische Regierung reisen dürfte, könnte man zum Beispiel auch nicht mehr in den Jemen, nach Saudi Arabien oder Afghanistan fahren. (APA)

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