Vögel scheinen instinktiv Inzucht vermeiden zu wollen

10. Oktober 2002, 14:19
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Studie: Je enger Eltern genetisch verwandt waren, desto häufiger fand man Nachwuchs aus "außerehelichen" Verbindungen

London- Eng miteinander verwandte Vogel-Partner gehen häufiger fremd als genetisch sehr verschiedene Paare. Indem sie "außerehelichen" Nachwuchs mit einem weniger nah verwandten Partner zeugen, gleichen die Vögel schädliche Folgen von Inzucht aus und erhöhen so die Überlebensfähigkeit der gesamten Art, berichtet ein Team internationaler Wissenschafter im britischen Fachblatt "Nature" vom Donnerstag.

Bart Kempenaers vom Forschungszentrum für Ornithologie der Max-Planck-Gesellschaft im bayrischen Starnberg und seine Mitarbeiter untersuchten die Untreue-Rate dreier eigentlich monogam lebender Küstenvogel-Arten. Dazu verglichen sie das Erbgut verschiedener Elternpaare mit dem ihres Nachwuchses. Je enger die Eltern genetisch verwandt waren, desto häufiger fand sich in den Brutgelegen ein Küken, dass mit einem anderen Partner gezeugt wurde, ergaben die Untersuchungen.

Hintergrund

Den Forschern zufolge macht dieses Verhalten Sinn: Enge Verwandte tragen häufig die selben Versionen ihrer Gene. Paaren sich zwei Eltern, die beide eine nachteilige Variante eines Genes tragen, wird diese Eigenschaft mit großer Wahrscheinlichkeit an die Nachkommen weitergegeben. Bei weniger engen Verwandten werden "schlechte" Genvarianten meist von den Erbanlagen des Partners ausgeglichen.

Extreme Inzucht wird bei Vögeln allerdings meist vermieden. Sehr eng verwandte Partner paaren sich nur, wenn keine Alternative in Sicht ist. Bei vielen Küstenvogelarten kommt dies häufiger vor, da die Tiere in festen Kolonien leben. Bisher wissen die Forscher noch nicht, wie Vögel erkennen, ob ihr Partner mit ihnen verwandt ist oder nicht. Dass sie dies ähnlich wie Nagetiere über ihren Geruchssinn tun, scheint unwahrscheinlich, da dieser bei Vögeln meist schlecht entwickelt ist. Vögel seien eben schlauer und lernfähiger als bisher gedacht, schreibt Arie van Noordwijk vom Niederländischen Institut für Ökologie in einem begleitenden Kommentar zu dem Artikel. (APA/dpa)

Vgl. "Nature", (Bd.419, S. 613 und 571)
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