"Krieg würde alle Zahlen umwerfen"

9. Oktober 2002, 12:20
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Luftfahrtbranche zittert vor neuem Golfkrieg - Ein Cent höhere Treibstoffkosten bedeutet 600 Millionen Dollar Mehrkosten für Airlines

Hongkong - Der Ausbruch eines neuen Golfkrieges stellt nach Einschätzung des internationalen Verbandes der Fluglinien, IATA, das größte Risiko für die Erholung der Luftfahrtbranche dar. "Ein Krieg würde alle unsere Berechnungen umwerfen, und die Zahlen sind bereits jetzt schlecht", sagte IATA-Generaldirektor Giovanni Bisignani am Mittwoch in Hongkong.

Die Passagierzahlen würden sinken und die Kosten in die Höhe schießen. Außerdem müssten die Fluggesellschaften ihre Flüge umleiten und höhere Preise für Versicherungen und Treibstoff bezahlen.

Verluste auch ohne Krieg

Im Jahr 2001 verloren die Fluggesellschaften weltweit 18 Mrd. Dollar (18,4 Mrd. Euro). Selbst wenn es nicht zu einem Krieg am Golf kommen sollte, erwartet die IATA für 2002 einen Verlust von zehn bis zwölf Mrd. Dollar.

Bisignani sagte, falls der Preis für die Gallone (knapp vier Liter) Kerosin um nur einen US-Cent steige, würde dies die Treibstoffkosten der Fluglinien um 600 Mill. Dollar erhöhen. Der Kerosinpreis orientiert sich an den Preisen für Rohöl, die in den vergangenen Wochen aus Furcht vor einem Golfkrieg, der die Öl-Versorgung gefährden könnte, stark gestiegen waren. Im September hatte die Muttergesellschaft von American Airlines, AMR Corp, prognostiziert, dass mehrere US-Fluglinien untergehen würden, sollten die USA einen Krieg am Golf starten.

Für die finanziellen Probleme vieler Fluggesellschaften sind unter anderem die gestiegenen Versicherungskosten seit den Anschlägen vom 11. September 2001 verantwortlich. Die Prämienkosten wuchsen nach den Anschlägen um fünf Mrd. Dollar auf voraussichtlich sechs Mrd. Dollar in diesem Jahr. Die IATA vertritt rund 98 Prozent der internationalen Fluglinien.(APA/Reuters)

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IATA

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