Christliche Philosophen unter sich

10. Oktober 2002, 21:44
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8.10.2002 - In diesen Tagen und Wochen, in denen Meinungsforscher der FPö die Halbierung prophezeien...

...und diese Prophezeiung bei der ersten Gelegenheit auch gleich Wirklichkeit wird, herrscht viel Kummer in den vor kurzem noch frohgemuten Reihen der freiheitlichen Bewegung. Wundersame Wähler-Wendung ächzt stabreimend "Zur Zeit" und outet sich als erstes Opfer seines journalistischen Selbstbetrugs: Vor wenigen Jahren noch war Europa rot. Vor wenigen Wochen hieß es, nun käme die Euro-Rechte. Doch das Pendel schlägt zurück. Was soll nur aus der altdeutschen Kulturnation werden, wenn deutsche Männer die Flinte schneller ins Korn werfen, als Mathias Reichhold sich als Jörg Haiders Abziehbild profilieren kann?

Noch mehr als die eingeborenen Überzeugungstäter leiden die Mitläufer, Leute, die ihre geistige Wahlheimat in der Knittelfeld-Fraktion - lange vor deren offizieller Existenz - gefunden haben, nachdem ihnen ihre Urheimat zu ungeistlich geworden ist. So erweist sich jener Univ.-Prof. Dr. Robert Prantner, den sich "Zur Zeit" als rabiat-klerikales Gegengewicht zum Oberrabbiner Arye Friedman hält, als eine tragische Figur, der ihr Lebenswerk unter den Fingern zu zerrinnen scheint, wie das heute ja öfter vorkommt.

Noch vor einiger Zeit bei der Staatsanwaltschaft in Wien als verdächtiger Antisemit, Neonazi, "abergläubischer" Engelwerk- und Satanismusfanatiker vernadert, muss der Univ.-Prof., der als Dozent an der Philos.-theolog. Ordenshochschule des Augustiner-Chorherrenstiftes Klosterneuburg und ein paar Jahre später als Hochschulprof. an der Philos.-theol. Hochschule des Zisterzienserstiftes Heiligenkreuz exorzieren durfte, nunmehr feststellen: Heute nach Jahren ist alles zusammengebrochen.

Das hindert ihn zwar nicht, unter dem Titel "Die Tschechei ist gegenwärtig noch nicht reif für die EU!" wieder einmal an eine Erledigung der Tschechei zu schreiten, aber sonst geht 's ihm schlecht. Meine alte ÖVP hat mich vergessen, klagt der einstige pers. wiss. Mitarbeiter des Bundeskanzlers Ing. Julius Raab. Ein einziger Freund im Parlament stand mutig für mich auf: der geschäftsführende FPÖ-Klubobmann Ewald Stadler widmete mir eine parlamentarische Anfrage an den Linksapostel Caspar (von) Einem, der sich selbstverständlich vor die modernistisch-masonisch orientierten Herren an der Wiener katholischen Theologenfakultät stellte und meinen Verlust der Prüfungsvollmacht an meiner Philosophisch-theologischen Hochschule in Heiligenkreuz bestätigte.

Dass Ewald Stadler sein einziger Freund im Parlament ist, kann nicht stimmen. Es müssen mindestens drei sein, betont Prantner doch: So freut es mich auch, die praktizierenden Katholiken Wolfgang Schüssel und ÖVP-Klubobmann Andreas Khol ob ihres Bekennermutes - auch in Nicht-Vorwahlzeiten - zu meinen Freunden zu zählen! Was, auch wenn sie nicht mutig für ihn aufstanden, den früheren Verdacht, er sei Satanismusfanatiker, plausibel erscheinen lässt, bedenkt man den rhetorischen Stil, in dem dieses Duo eine rot-grüne Koalition als satanische Versuchung zeichnet.

Den eingeforderten Bekennermut betreffend, hat der Univ.-Prof. ein klares Freundbild: Was ich wirklich nicht von Erhard Busek, vom EU-Kommissar Franz Fischler und von der ehemaligen "Kirchenvolksbegehren"-Sympathisantin Maria Rauch-Kallat, verehelichte Gräfin Mannsdorff(sic)-Pouilly, behaupten möchte. Das sind ja fast schon Linksapostel, wenn nicht gar Ko-Häretiker der modernistisch-masonisch orientierten Herren an der Wiener katholischen Theologenfakultät.

Was den Verdacht des Antisemitismus betrifft, wäre es ungerecht, den einzigen Freund im Parlament zu bemühen, bringt doch Prantner selber andere Zeugen bei. Ich denke vor allem an den gar nicht KÖNIG-lichen Wiener Hilfsbischof Helmut Krätzl, der zu den Luxus-Schreibern des "Falter" zählt, in dem er über mich als "Antisemiten" den Stab brechen zu müssen glaubte. Und nur kein Zweifel: Nein, ich halte es mit Krenn und Küng, mit Eder und Kapellari und gelegentlich auch anderen Infel-Trägern. Aber nicht mit jedem! Im Gegenzug zeigt auch Prantner Bekennermut, wenn es um Ewald Stadler geht. Es erfüllt mich als konservativen Katholiken mit Schmerz, was ihm widerfährt, bekennt er, und zitiert zustimmend aus dem gleich gesinnten Exorzistenblättchen "Der 13.": Seine klaren Stellungnahmen gegen die Abtreibung, für die katholische Kirche, gegen den heimischen linken Meinungs- und "Kultur"-Terror sind in der gegenwärtigen politischen Szenerie dieses Landes fast einzigartig. Und erneut erfreut Stadler das politisch interessierte Publikum dadurch, daß er öffentlich gegen die von der Linken verordneten Denkweisen denkt, sich kritisch zur Sowjetarmee äußert und das mit 1945 einsetzende zehnjährige kommunistische Besatzungsregime im Osten Österreichs . . . nicht als Befreiung gelten läßt.

Und damit es klar ist: Ich stehe zur Irak-Philosophie und -Praxis meiner Freunde Ewald Stadler und Jörg Haider. - Auch ein Triumph der christlichen Philosophie! (DER STANDARD, Printausgabe vom 8.10.2002)

Von Günter Traxler
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