Fechten: Verband statuiert Exempel

7. Oktober 2002, 16:42
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Weltcupsieger Marik für halbes Jahr gesperrt: "Müssen Ordung schaffen"

Wien - Harter Schlag für Degenfechter Christoph Marik. Der 24-Jährige wurde vom unabhängigen Disziplinarausschuss des Österreichischen Fechtverbandes (ÖFV) für ein halbes Jahr gesperrt. Der aktuelle Gesamtweltcupsieger "hat", so heißt es in der Aussendung des ÖFV, "bei der Weltmeisterschaft in Lissabon durch Disziplinlosigkeit (Maskenwurf) das Nationalteam um eine berechtigte Medaillenhoffnung gebracht. Durch die darauf folgende Disqualifikation des gesamten Teams wurde eine Platzierung vereitelt, die für das Ansuchen um Subvention für Olympia 2004 besonders wichtig ist." Der Vorfall in Lissabon sei nicht der erste dieser Art gewesen, Marik war bereits bei der EM in Moskau disqualifiziert worden.

Die Sperre bezieht sich auf alle Turniere im In- und Ausland und gilt ab Zustellung des Schiedsgerichtsspruchs, wenn Marik von seinem Einspruchsrecht absieht. Der Athlet war hörbar geschockt: "Mit dem habe ich nicht gerechnet, das ist hart. Ein halbes Jahr ist viel." Ein Einspruch ist wahrscheinlich: "Ich glaube schon, dass ich das tun werde."

"Hätte nichts ändern können"

Er habe von der Tagung des Disziplinarausschusses erfahren, habe es aber vorgezogen zu trainieren anstatt hinzufahren. "Im Schreiben stand, meine Anwesenheit sei nicht unbedingt erforderlich. Ich glaube, ich hätte auch nichts mehr ändern können." Bei den Kollegen hätte er sich für den Vorfall ohnehin schon entschuldigt.

Warum der Ausraster? "In Lissabon wurde die ganze Woche nur gestritten und diskutiert. Das ist ein Grund, warum es so eskaliert ist. Vor drei Monaten wäre der Maskenwurf aber nicht einmal eine Gelbe Karte gewesen. Aber dann wurden die Regeln verschärft." Dass die Sperre auch für Turniere gilt, die er sich selbst finanziere, sei schwer nachzuvollziehen. "Ich würde nichts sagen, wenn der Verband alles zahlen würde. Wer zahlt bestimmt. Aber das ist ja nicht der Fall. Wenn ich nach Buenos Aires zum Weltcup fahre, mache ich das auf eigene Kosten. Vom Verband bekomme ich dafür keinen Euro. Der zahlt ja nur, was in den Statuten steht."

"Ordnung schaffen"

"Wir wissen, dass eine derartige Entscheidung auch Verwunderung auslösen kann. Auch wir würden lieber jubelnd in unsere erste Ära starten. Doch wir haben einen ungeheueren Scherbenhaufen übernommen und müssen Ordnung schaffen. Das tut manches Mal weh. Man soll uns aber eine Sportart, einen Verband nennen, wo nach einem derartigen Vorfall zur Tagesordnung übergegangen wird", erklärte ÖFV-Vizepräsidentin Uschi Hinterseer.

Die Sperre könnte nicht nur für Christoph Marik, sondern für den gesamten Degenfechtsport Österreichs massive Auswirkungen haben, geht es kommende Saison doch um die Quotenplätze für die Olympischen Spiele 2004 in Athen. (APA)

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    Christoph Marik: "Ich kann das gesamte nächste Wettkampfjahr vergessen. Ich muss mir sogar überlegen, ob es überhaupt noch einen Sinn macht."

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