Denkmäler verpacken ohne Christo

7. Oktober 2002, 20:48
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Florenz fürchtet Ausschreitungen bei der "No Global"-Demo und wickelt daher seine Kunstschätze zum Schutz ein

Rom/Florenz - Als Schutz gegen eine im November erwartete "Invasion" von Globalisierungsgegnern will Florenz seine Kunstschätze und Denkmäler "verpacken". Alle Statuen der Stadt sowie der Brunnen des Neptuns, die Fassaden der Uffizien und der Basilika Santa Maria Novella sollen mit Gerüsten und Plastikmaterial bedeckt werden, als würden sie Renovierungsarbeiten unterzogen, berichteten italienische Medien. Ziel der Maßnahme der für das Kunsterbe zuständigen Behörde ist es, der toskanischen Hauptstadt eine Verwüstung wie beim G-8-Gipfel in Genua im Juli 2001 zu ersparen.

Angst vor Ausschreitungen

Rund 80.000 Globalisierungsgegner werden an dem vom 6. bis 10. November geplanten Treffens der Antiglobalisierungs-Bewegung "Social Forum" teilnehmen. Zu dem Treffen werden Delegationen aus der ganzen Welt erwartet. Die städtischen Behörden befürchten Krawalle wie in Genua. Rund 5.000 Polizisten sollen für die Sicherheit der Stadt sorgen. Die Geheimdienste schlagen Alarm: Sie befürchten, dass sich Anhänger der rechtsextremistischen Gruppe Black Block unter die friedlichen Demonstranten mischen und der Stadt enorme Schäden zufügen könnten.

Auch ein Kratzer wäre schlimm

"Florenz ist nicht Genua. In dieser Stadt bedeutet auch ein Kratzer, der einem Denkmal zugefügt wird, einen enormen Schaden", sagte der Polizeichef von Florenz, Achille Serra. Er muss sich auch mit dem Protest der Kaufleute auseinandersetzen. Sie drohen mit einer viertägigen Sperre während des No Global-Gipfels. "Wir wollen nicht, dass unsere Geschäfte von wilden Anarchistenbanden eingeschlagen werden", so ein Sprecher der Florentiner Kaufleute.

Appell an die Sicherheitskräfte

Die Organisatoren des Treffens in Florenz forderten die Sicherheitskräfte auf, höchsten Einsatz für den friedlichen Verlauf der Demonstration zu garantieren. Extremistengruppen könnten mit Provokationen versuchen, die pazifistischen Demonstrationen mit Krawallen wie in Genua zu überschatten. "Wir wollen das mit allen Mitteln verhindern", sagte der Sprecherin der italienischen Globalisierungsgegner, Luca Casarini. (APA)

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    Nehmen die Florentiner Anleihen beim verhüllten Reichstag (1995)?

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