Der Auftragskiller ist zurück

27. Oktober 2002, 17:56
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Hitman 2 präsentiert sich mit gelungener Grafik und gutem Sound - Der moralisch geläuterte Klon Nummer 47 auf PC und PS2 im Test

Der Auftragskiller meldet sich zurück: Hitman 2 ist wieder da. In Punkto Grafik und Sound hat das Spiel wieder ein Menge zu bieten. Atmosphärische Schauplätze, gut animierte Gegner und eine Menge Action sorgen einmal mehr für Unterhaltung.

"Wake up" im Kloster

Wer erinnert sich nicht noch an die Anfangsszene der ersten Teils; "Wake up, wake up my friend" tönte es da aus den Lautsprechern. Während der erste Teil im Labor begann, erwacht der Klon Nummer 47 mit seiner markanten Frisur und der Barcode-Tätowierung am Hinterkopf diesmal in einem Kloster auf. Nachdem Tobias Rierper aka Hitman im ersten Teil seinen Schöpfer sowie sein eigenes Ebenbild in die ewigen Jagdgründe befördern musste, versucht er sich nun am Ort der inneren Einkehr von den traumatischen Erlebnissen zu erholen. Aber einen Auftragskiller holt seine Vergangenheit schneller ein als man denkt.

Ein Klon sieht rot

Sein Leben hätte so friedlich sein können, dass ihm ein Gastauftritt bei "The Sims" sicher gewesen wäre - doch wie das Leben so spielt bietet das Leben immer wieder überraschende Wendungen. Während sich 47 seiner Gartenarbeit widmet, wird sein Mentor Pater Vittorio entführt. Da erwacht der Charles Bronson im PC-Kräuterpfarrer Weidinger und er packt seine Beretta sowie die liebgewonnene Klaviersaite und schreitet zur Rettung seines Freundes.

Moralisch geläutert

Unser Antiheld präsentiert sich diesmal moralisch geläutert und jagt nur noch Bösewichte. Die Anweisung in den einzelnen Mission scheint klar und eindeutig - nicht Auffallen und keine Gefangenen machen. Fast immer muss die Zielperson getötet werden und auf der Flucht sind meist noch etliche Gegner ebenfalls zu eliminieren. Mit Sicherheit kein gutes Spiel, dass als Weihnachtspräsent für Pazifisten oder solche die es noch werden wollen dient. Um wenigstens ein bißchen der - zumindest in Deutschland - sicher scheinenden Indizierung entgegen zu wirken und Eltern zu beruhigen werden in den sehr aufwändig gestalteten Missionsbeschreibungen die Untaten der zukünftigen Opfer ausführlich erzählt und per Videos gezeigt.

Egal ob russischer General oder Computer-Hacker

Die Missionen führen den Helden quer über den gesamten Erdball. Von St. Petersburg, über Italien, Afghanistan und Indien bis hin zu den Petronas Towers in Malaysia erstreckt sich die Suche nach dem Mentor. Dabei gilt es so unterschiedliche Aufträge zu erledigen wie etwa einen russischen General zu finden und diesen zu erledigen oder ein junges Computergenie, das sensible Regierungsdaten steheln will dingfest zu machen. Die Handlung wird anhand von zwei Erzählsträngen weiter getragen: So ist die Hälfte der 21 Einsätze mit dem eigentlichen Haupt-Plot, die restliche Zeit mit Agentur-Aufträge, um an neue Informationen und bessere Waffen zu gelangen, zu bewältigen.

Steuerung blieb gleich

Der Taktik-Shooter bleibt dabei der Steurung des ersten Teils treu. Der Profi-Killer ist von schräg hinten, oder auch wahlweise in Ego-Ansicht, dies erfordert allerdings wesentlich mehr Können, da die Übersicht darunter enorm leidet, zu steuern. Einen wesentlichen Bestandteil neben einer Reihe von gut zu geplanenden Ballersequenzen bilden auch diesmal die Schleicheinlagen ala Dark Project aus.

Es ist nicht leicht ein Killer zu sein

Die KI der Gegner wurde stark verbessert und macht die Fortsetzung von Hitman zu einer echten Herausforderung. Schon beim Vorgänger waren einige Missionen ziemlich schwierig, aber diesmal ist tatsächlich das gesamte Können des Killers gefordert. So müssen etwa Wachen, die sich in manchen Missionen an beinahe jeder Ecke finden, ausgetrickst werden. Ein harmloser Lieferant wird kurzerhand mit Chlorofprm betäubt und seiner Kleidung beraubt und schon ist der Weg - zumindest kurzfristig - frei. Ein roter Balken gibt dabei darüber Auskunft ob die Wachen bereits Verdacht geschöpft haben oder sie zu schnell durch die Gänge gelaufen sind und so das Misstrauen erweckt haben. Besonders komfortabel ist dabei die Automap, die hilft die Routen patroullierender Gegner zu analysieren. Überwachungskameras müssen möglichst geräuschlos mit der schallgedämpften Waffe ausgeschalten werden, sonst ist eine Flucht vor den heranstürmenden Gegner aussichtslos. Manche Wachen lassen sich auch schon, bevor man sie zu Gesicht bekommt, durch Geräusche lokalisieren und können so aus dem Hinterhalt überwältigt werden.

Mehrere Lösungswege

In Hitman 2 stehen dem Spieler meist mehrere Lösungswege für eine Mission offen. So muss man etwa in einer Mission eine Zielperson in einem Hotel erledigen. Die wenig subtile Methode ist einfach vor versammelten Bodyguards und Zivilisten das Feuer zu eröffnen und möglchist öfter zu treffen als getroffen zu werden. Weniger schießwütige Spieler könnten antürlich auch in die Küche schleichen, ein Champagner-Glas stehlen und dem Opfer einen mit Gift versetzten Cocktail servieren.

Tolle Grafik

Hitman 2 wurde von den Entwicklern rein auf Solo-Spiele ausgelegt, ein Mehrspielermodus ist nicht zu finden - geht allerdings auch nicht wirklich ab. Die Grafik, die schon im Vorgänger zu Recht hoch gelobt wurde, zeigt sich nun wesentlich verbessert. Sehr feine und schöne Texturen machen das Spiel sehr realistisch. Auch die gesamte Level-Architektur strotzt vor Detailreichtum. Auch das Waffenarsenal hat ein Update erfahren und reicht nun von der bekannten Klaviersaite über Golfschläger bis hin zu Gift und schallgedämpften High-Tech-Waffen.

Fazit

Eidos und IO Interactive konnten tatsächlich einen würdigen Nachfolger auf die Beine stellen. Wem der erste Teil gefallen hat, der wird auch mit Hitman 2 mehr als zufrieden sein. Auch Fans von Metal Gear Solid, Syphon Filter, Dark Project oder Blood Omen sollten - falls sie es noch nicht getan haben einen Blick auf den Killier mit der blutroten Krawatte werfen. Die großen Neuerungen blieben zwar weitgehend aus, aber Spaß macht das Spiel dennoch allemal. Schwer abzuraten ist Hitman 2 hingegen wirklich nur für Leute denen schon Spiele wie "Industrie-Gigant 2" oder ähnliches zu blutrünstig waren.(bbg)

Links

Eidos

IO Interactive

Hitman 2 - Offizielle Webseite

Ansichtsache

Zu den Screenshots

Erscheinungstermin

bereits erhältlich

Hardware-Anforderungen

Pentium III oder Athlon mit 550 MHz bzw. PlayStation 2
128 MB RAM
700 MB Installationsgröße
3D-Grafikbeschleunigerkarte
Windows 98/XP

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