WarCraft 3-Killer in den Startlöchern

22. Oktober 2002, 15:14
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Microsoft bringt mit "Age of Mythology" einen echten Konkurrenten für Blizzards Referenztitel ins Echtzeit-Strategie-Genre

Die Software-Firmen Microsoft und Ensemble Studios haben vor kurzem das Erreichen des Gold-Status für das kommende Echtzeit-Strategie-Spiel "Age of Mythology" angekündigt, Grund genug für ein erstes Preview.

"Age of Empires" mit Mythologie

"Age of Mythologie" ist die Fortsetzung der erfolgreichen "Age of Empires"-Reihe und bietet neben den gewohnten Schlachten und Aufbau-Strategie-Elementen einen gehörige Portion Mythologie. Erstmals verlassen die Entwickler damit das gewohnte Terrain der reinen Historien-Spiele und tauchen ein in die Welt der Sagen und Mythen.

Grafischer Leckerbissen

Auf den ersten Blick unterschiedet sich "Age of Mythology" mit isometrischer Grafik, dem Interface und im Grafikstil kaum vom Vorgänger "Age of Empires II". Allerdings bietet das Spiel grandiose echte, frei dreh- und zoombare 3D-Grafik und eine Vielzahl von Neuerungen. So reicht eine Drehung des Mausrades aus und Kamera schwenkt stufenlos um den Bildmittelpunkt, alle Gebäude, Einheiten und auch die Landschaft sind echte 3D-Objekte. Mittels Tastendruck kann an das Geschehen auf dem Spielfeld herangezoomt werden. Selbst von Gebäuden verdeckte Einheiten bleiben als farbige Umrisse deutlich erkennbar.

Nur drei Völker - aber mit vielen Neuerungen

Im Gegensatz zu seinen Vorgängern stehen in "Age of Mythology" nur drei Völker für den Spieler zur Auswahl - Griechen, Ägyptern und Wikinger - jedes mit speziellen Fähigkeiten und vor allem sehr unterschiedlichen mächtigen Gottheiten. Das Spielprinzip blieb jedoch im Vergleich zu den Vorgängern weitgehend unangetastet: So müssen Arbeiter die Holz- und Gold-Lager füllen, Farmen sorgen für Nahrungsmittel und in den Kasernen können die Einheiten für spätere Feldzüge beziehungsweise Verteidigungsaufgaben ausgebildet werden.

Drei Kulturen samt ihren Göttern

Zu Beginn des Spiels muss man sich für eines der drei Völker entscheiden. Aber damit noch lange nicht genug - nun fängt das Grübeln erst an. Jede Kultur umfasst ihrerseits wiederum drei verschiedene Stämme, die sich durch ihren Hauptgott und einige wichtige Details unterscheiden. Zur Auswahl als Hauptgott stehen bei den Griechen - Zeus, Poseidon und Hades, bei den Wikingern Odin, Thor und Loki und bei den Ägyptern Ra, Isis und Seth.

Während sich die einen (Zeus, Odin und Ra) mehr um den Handel und die Nahrung kümmern, zählt für andere (Hades, Loki und Seth) der Krieg oder steht der Fortschritt (Poseidon, Thor und Isis) im Mittelpunkt - je nach der Wahl des Spielers werden diese Fähigkeiten im Laufe der Kampagne verbessert. Jede Gottheit bietet zudem unterschiedliche Boni - etwa mehr Schutz, gefährliche Angriffswaffen und verschiedene mythologische Monster, die für den Spieler in den Krieg ziehen können. Durch diese Auswahl und vor allem durch eine spätere weitere Selektion aus 27 verschiedenen Untergottheiten erreicht Age of Mythology eine sehr große Spiel-Tiefe.

Die vier Epochen

Age of Mythology bietet "nur" eine Kampagne mit 35 sehr sehr langen, aber auch sehr gelungenen und spannenden Missionen. Dabei lässt sich der Schwierigkeitsgrad in vier verschiedenen Abstufungen einstellen. Sehr nett gemachte Zwischensequenzen in der Spiele-Engine führen dabei durch die Geschichte. Das Spiel umfasst insgesamt vier verschiedene Epochen. Diese bieten zusätzliche neue Einheiten, Technologien und Gebäude. Bei jedem Aufstieg in eine neue Epoche, der mit dem Erreichen einer gewissen Erfahrungspunktezahl ermöglicht wird, werden dem Spieler erneut schwerwiegende Entscheidungen abverlangt.

So bedeutet doch jeder Epochenaufstieg eine Entschiedung für einen von zwei wählbaren möglichen Untergottheiten, die wiederum starken Einfluss auf das weitere Geschick ihres Volkes haben. Von den zuvor erwähnten 27 Untergöttern seien hier nur einige erwähnt: Athene (Regeneration für die Einheiten und Minotaurus als Kämpfer), Aphrodite (Fluch und Nemischer Löwe), Hephaistos (Mehr Rohstoffe und einen Colossus), Skadi (Frost und Eisgigant), Hel(Drachen und Nordische Riesen), Bast (Sonnenfinsternis und Sphinx), Nephtys (Zombie-Armee sowie Leviathan) und Horus (Tornado und Rächer).

Alles unter Kontrolle

Trotz der Unmenge an Entscheidungsmöglichkeiten, der großen Landschaft und der Vielzahl von vorhandenen Einheiten bleibt Age of Mythology steht spiel- und kontrollierbar. Wie in diesem Genre üblich, lassen sich einzelne Einheiten per Tastendruck zu einer Gruppe zusammenfassen. Am oberen linken Bildschirmrand finden sich einige Fähnchen - ein Klick auf diese zeigt an aus welchen Einheiten eine Gruppe besteht beziehungsweise welche strategischen Formationen zur Auswahl stehen. Die Flaggen auf der rechten Seite geben Auskunft über die Missionsziele und Arbeitseifer von Soldaten und Arbeitern. Ein Klick auf einen Arbeiter öffnet auch gleich das übersichtliche Bau-Menü. Eine gute Nachricht für alle "Age of Empire"-Fans: Die gelernten Tastaturkürzel funktionieren auch bei "Age of Mythology". Auch der Technologie-Baum ist trotz seines Umfangs immer überschaubar.

WarCraft III versus Age of Mythology

Für Fans des Echtzeit-Strategie-Genres scheint ein Vergleich mit dem momentanen Referenz-Titel "WarCraft III" wohl mehr als angebracht. Viele Gegensätze finden sich vor allem in den Schlachten. So sind bei "Age of Mythology" auch Seeschlachten - samt riesigen schwer zu besiegenden mythologischen Geschöpfen, wie etwa einer Scylla, einer Krake oder einer Schildkröte - möglich. Auch zu Land schneidet "Age of Mythology" aufgrund der möglichen Reisenarmeen besser ab. Jederzeit pausierbare Schlachten mit bis zu 100 Kriegern können ausgetragen werden - das sind immerhin bis zu dreimal mehr als bei WarCraft III möglich sind.

Allerdings lassen sich bei WarCraft III auch Einheiten herbeizaubern, was bei Age of Mythology nicht möglich ist. Ein kleines Manko im Gegensatz zu WarCraft III stellt die kaum vorhandene Persönlichkeit der Helden dar. Im Vergleich zu den sympathischen Kriegern aus WarCraft bleiben die Age-Heroen eher gesichtslos. Die Transparenzeffekte alá WarCraft III fehlen zwar, aber durch gelungene Licht/Schatten-Effekte und sehr gute Farbgebungen wirkt die Grafik frischer und realistischer als beim Blizzard-Titel. Ein wesentlicher Unterschied zu WarCraft III findet sich auch bei den Kampagnen. Während bei Blizzard in den einzelnen Missionen oft noch Zusatz-Aufgaben integriert wurden, fehlen solche beim Microsoft-Spiel.

Götterkraft und Multi-Player

Dass den Götter ein wichtiger Part in den Spiel zusteht, dürfte nicht nur durch den Titel sondern auch durch die umfangreichen Auswahlmöglichkeiten, erkennbar sein. Jeder Gott bietet seinem Volk seine Künste und eine mythologische Kreatur an und ist somit oft auch spielentscheidend. Pro Partie stehen maximal vier Zauber zur Verfügung: den ersten gibt es mit der Wahl des Hauptgottes gleich zu Beginn der Partie, die anderen kommen durch den gewählten Nebengott pro Epochenaufstieg neu hinzu. Die Fabelwesen - Bragis, das goldenen Kampf-Wildschwein, die mehrköpfige Hydra und unzählige andere - unterstützen das Volk ihres Gottes und bedeuten für den Attackierten selten etwas Gutes. Ein Kampf einer Armee ohne Unterstützung von oben gegen ein solches Mythengeschöpf kann kaum gewonnen werden. Aber wofür hat man mit soviel Bedacht seine Götter ausgewählt? Ein Meteoritenhagel, der gewaltige Krater hinterlässt, eine Feuersbrunst oder klirrende Kälte retten so manche Stadt vor dem drohenden Untergang oder sorgen für ebendiesen. Die kampfstarken Monster kosten allerdings nicht nur viele Göttergunst-Punkte sondern auch sehr viel Gold und sind daher nicht als Standard-Waffe zu betrachten.

Besonders interessant dürfte Age of Mythology auch für Mehrspieler-Partien und Turniere sein. Verschiedene Modi stehen dabei zur Auswahl: so etwa Deathmatch, Team Deathmatch, Conquest (ein Wettlauf um die Weltwunder), Lightning (den Spielern stehen mehr Ressourcen zur Auswahl) und King of the Hill (in der Mitte der Karte findet sich ein herrenloser Schrein der möglichst schnell erobert werden sollte).

Fazit

Gelungene Grafik, gute Steuerung, prächtige Landschaften und große Schlachten - "Age of Mythology" bietet einem echten Echtzeit-Strategen eine wirkliche Alternative zum Blizzard-Titel "WarCraft III". Fans von "Age of Empires" werden sich ohnehin die Fortsetzung besorgen und auch Genre-Neulingen mit Interessen an Mythologie sollten zugreifen. Aufgrund der langen Kampagne bekommt das Wort "Endlos-Spiel" eine neue, aber nicht negative Bedeutung. Für ein schnelles Spiel zwischendurch ist "Age of Mythology" natürlich nicht geeignet, für langanhaltenden Spielspaß aber auf jeden Fall.

Features

Drei antike Kulturen (Griechen, Wikinger, Ägypter) mit neun Stämmen (anderer Hauptgott)
Insgesamt 27 Nebengötter
Eine Kampagne mit 35 sehr langen Missionen
Wirtschaftsmodus identisch zu Age of Empires 2; Unterschiede zwischen den Völkern Grund-Rohstoffe: Holz, Gold, Nahrung, Göttergunst
Forschung mit überschaubarem Technologiebaum
Jederzeit pausierbare Gefechte mit bis zu 100 Einheiten pro Seite plus mythologische Monster, Helden und Götter
Multi-Player-Modus für bis zu 12 Spieler über LAN und Internet; vier Grundmodi (Deathmatch, Team-Deathmatch, Weltwunder-Rennen und King of the Hill) - sehr ausgewogenen Einheiten
(grex)

Links

Microsoft

Ensemble Studios

Age of Mythologie - Offizielle Webseite

Age of Mythologie - Offizielle Webseite bei Microsoft

Ansichtsache

Zu den Screenshots

Erscheinungstermin

7.11.2002

Hardware-Anforderungen

CPU mit 600 MHz
128 MB RAM
1,2 GB Installationsgröße
3D-Grafikkarte
Multiplayer-Fähigkeit: bis zu 12 Spieler via LAN oder Internet

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