Starke Stämme, kapitale Kronen

19. Oktober 2005, 14:59
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Von den Kräften, die Bäumen innewohnen, schwärmen nicht nur esoterisch angehauchte Zeitgenossen. Tatsächlich bedarf es wohl beachtlicher Kräfte, 1000 Jahre oder noch länger Wind und Wetter zu trotzen.

Wenn die Blätter von den Bäumen fallen, erkennt man oft erst so richtig, welch ausladende Wurzeln, mächtige Stämme und weit verzweigte Kronen so mancher hölzerne Riese eigentlich hat.

Sonst denkt man beim Stichwort Mammutbäume ja unwillkürlich an Amerika, wo die "Weltmeister" in puncto Umfang, Höhe und Alter beheimatet sind. Aber auch in unseren Breiten finden sich beeindruckende Gehölze, wie der jüngst erschienene Bildband "Deutschlands alte Bäume" beweist.

Die Frage, wie alt Bäume überhaupt werden können, ist aller Forschung zum Trotz bis heute ein ungelöstes Rätsel. Einige Forscher haben sogar die These aufgestellt, dass Bäume potenziell unsterblich sind, weil die Kambien und Meristeme, die undifferenzierten Urgewebe der Pflanzen, die ewige Kraft der Erneuerung in sich tragen. Gemäß dieser Unsterblichkeits-hypothese stirbt ein alter Baum nur dann, wenn ihn äußere Ursachen wie Blitzschlag, Sturm, Dürre, Pilz-oder Insektenbefall aus dem Gleichgewicht bringen.

Andere Forscher meinen, dass es für Bäume ebenso wie für jede andere Pflanzenart eine genetisch vorgegebene Lebensspanne gebe, Umwelteinflüsse also nur "Erfüllungsgehilfen" für ein ohnehin bevorstehendes Absterben seien. Von der Linde etwa heißt es im Volksmund: "300 Jahre kommt sie, 300 Jahre steht sie, 300 Jahre vergeht sie."

So oder so: Das präzise Alter eines Baumes zu bestimmen ist ohnehin schwierig, denn alte Bäume sind meist innen hohl, sodass die beweiskräftigste und nächstliegende Methode - die Dendrochronologie, also die Altersbestimmung anhand der Altersringe - oft nicht mehr durchführbar ist. Dazu kommt, dass die Jahresringe von Jahr zu Jahr immer schmäler werden, weil der Baum seinen Zuwachs auf einen immer größer werdenden Holzzylinder verteilen muss. So liegen beispielsweise zwischen einer zwölf und einer 14 Meter dicken Linde Jahrhunderte.

Schließlich spielt auch die Umwelt eine Rolle im Wachstum der Bäume: Hochalpine Kiefern finden nun einmal weniger üppige Lebensbedingungen vor als Bäume, die auf nährstoffreichen Böden, fernab von menschlichen Eingriffen in die Natur gedeihen können. Wobei der Ordnung halber hinzugefügt werden muss, dass Menschen manchmal auch hilfreich ins Leben alter Bäume eingreifen, etwa indem morsche Äste oder hohle Stämme gestützt werden. (Marie-Therese.Gudenus/ DER STANDARD, Printausgabe vom 4.10.2002)

St. Kühn, B. Ulrich, U. Kühn:
"Deutschlands alte Bäume"
blv, 160 Seiten

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