Tod bei der Festnahme: Vorwürfe

7. Oktober 2002, 13:43
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Schwester des Toten kritisiert Polizeigewalt

Wien - "Ich kriege keine Luft", habe er geschrien, sagen nach Auskunft der Schwester des Opfers drei Augenzeugen. Die 21-jährige Andrea S. aus Wien-Meidling erhebt schwere Vorwürfe gegen die Polizei. Ihr Bruder starb, als er am Freitagnachmittag von vier Beamten festgenommen und zu Boden gerungen wurde, DER STANDARD berichtete.

Der Mann war einer Funkstreifenbesatzung verdächtig vorgekommen, als er bei einem Bankomaten an der Meidlinger Hauptstraße stand. Der 24-Jährige lief davon, als er die Polizisten bemerkte, diese nahmen die Verfolgung auf. Ein Beamter riss den Flüchtenden schließlich an dessen Kleidern zu Boden.

Dem jungen Mann wurden Handschellen angelegt, er habe aber erneut begonnen, um sich zu treten, "weshalb eine neue Fixierung vorgenommen werden musste. Während dieser Sicherungsmaßnahme endete plötzlich sein heftiger Widerstand. S. begann zu röcheln und war kurz darauf unansprechbar", teilte die Polizei mit. Die Rettung wurde verständigt, die Reanimationsversuche blieben jedoch ohne Erfolg.

Nach Darstellung der Schwester des Mannes geben Passanten eine etwas andere Schilderung der Hergänge. Vier Beamte seien auf dem am Boden liegenden Festgenommenen gekniet, dieser habe keine Möglichkeit zur Gegenwehr gehabt und um Hilfe gerufen. Die Polizisten hätten auf den Mann eingeschlagen. Die Notärztin vermutet laut Polizeiangaben, dass Herzversagen der Grund für das Ableben des Mannes gewesen sei. Nach Behördenangaben wurden bei dem Toten aber auch fünf leere Spritzampullen sowie Suchtgift und eine gebrauchte Injektionsnadel gefunden. S. wurde von der Behörde seit mehreren Wochen gesucht. (APA, red/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 7.10.2002)

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