"Na, schöner ist der Platz nicht"

3. Oktober 2002, 20:01
posten

SP-Container sorgt für Debatten, zeigt neue Plakate

Wien - "Jessas na", sagt Herr Robert. Und sonst "nichts". So schweigsam ist der legendäre Oberkellner des Café Landtmann selten. Zum Containerdorf vor "seiner" Haustür aber, da will er sich nicht äußern. Seine Chefin schon: "Na, schöner ist der Platz nicht geworden", quittiert Anita Querfeld die Container-Aussicht von ihrer Café-Terrasse. Und fasst die Gäste-Reaktionen so zusammen: "Man belächelt es und ist erstaunt. Positive Reaktion kenne ich keine." Vor allem die Parkplätze, die die SPÖ mit ihrem Wahlcontainerdorf zustellt, vermissen die Café-Besucher, seufzt Querfeld. Aber immerhin, zwei Garagenkarten hat ihr die SPÖ gegeben - für Stammgäste.

Bitte, alle Anrainer, deren Auto der Wahlkampfburg vorübergehend weichen muss, bekommen Gratis-Garagenplätze in der Nähe, versichert Container-"Erfinder" Harry Kopietz. Schöner soll die Burg noch werden - durch Bilder (Kunst, nicht Wahlplakat) an der Landtmann-Seite. Und dass FPÖ und ÖVP gegen das Containerdorf neben dem Burgtheater Sturm laufen, beunruhigt Kopietz nicht: "Wenn denen das gefallen würde, hätte ich an der Idee gezweifelt."

Die Aktion zuparken, zu der FP-Klubchef Karl Schweitzer als Protest gegen die niedrige Miete, die die SPÖ an die Stadt Wien zahlt (6,78 Euro/m²), aufgerufen hat, ist jedenfalls ziemlich folgenlos geblieben. Und so kann SP-Bundesgeschäftsführerin Doris Bures unbehelligt vor den zweistöckigen Containern die neuen Plakate vorstellen: Alfred Gusenbauer wirbt darauf für "Gesundheit, die sich jeder leisten kann", verspricht, die Ambulanzgebühr abzuschaffen. "Containerpolitik", kann die ÖVP da nur motzen. Daneben setzt die SPÖ auf das Thema Pensionen, etwa durch Wettern gegen die niedrige Pensionserhöhung, und auf Bildung. Zu sehen sind die Plakate auch an der Containerwand.

Was ja ein Effekt der Wahlburg sein soll, neben der Aufmerksamkeit. Zudem habe die SPÖ für ihr Wahlkampfteam Raum benötigt. Nicht zuletzt seien die Container Anlaufstelle für Bürgerfragen und damit Teil des Wahlkampfs, der "zu den Menschen kommt", wie Bures das nennt. Gusenbauer wird im 26-Tonnen-Truck durchs Land gekarrt - auf seiner "Mensch-zu-Mensch-Tour" im knallroten Autobus. Nach dem Wahlkampfauftakt am 10. Oktober fährt der Bus los. (Eva Linsinger/DER STANDARD, Printausgabe, 4.10.2002)

  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.