Zu alt für Arbeit, zu jung für Rente

3. Oktober 2002, 11:47
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Wirtschaft präsentiert Forderungen zur Beschäftigung älterer Arbeitnehmer

Wien - Wie weit Theorie und Praxis manchmal auseinander klaffen zeigt sich beim Thema ältere Arbeitnehmer besondern deutlich. Die Beschäftigungsquote von Frauen und Männern zwischen 55 und 64 Jahren soll laut EU-Beschluss bis zum Jahr 2010 auf 50 Prozent angehoben werden. In Österreich liegt die Erwerbsquote in diesem Alterssegment bei 30 Prozent, dem drittletzten Platz vor Italien und Belgien. Gleichzeitig steigt Monat für Monat die Arbeitslosigkeit kräftig an. Zwischen 45 und 49 Jahren im September um überdurchschnittliche 20,5 Prozent, in der Kategorie 50 und älter um immerhin knapp 13 Prozent.

Unter dem Titel "Das Potenzial des Arbeitsmarktes der Zukunft" unternimmt die Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) nun einen neuerlichen Anlauf in Sachen Problembewusstseinsbildung und präsentierte am Dienstag einen Forderungskatalog an die künftige Bundesregierung. Grundtenor, laut stellvertretendem WKÖ-Generalsekretär Reinhold Mitterlehner: "Nicht bei jedem Konjunkturabschwung aus reinem Kostendenken vorschnell die Älteren kündigen, weil deren Know-how fehlt dann beim nächsten Aufschwung."

Die Forderungen der Wirtschaftskammer im Detail:

  • Reform der Altersteilzeit unter anderem durch Anhebung des Antrittsalters um eineinhalb Jahre und eine Beschränkung von Zeitausgleichsmodellen.
  • "Flexibilisierung" des Kündigungsschutzes älterer Arbeitnehmer (ab 50), der sich aus WKÖ-Sicht als Einstellhemmnis erwiesen hat.
  • Reform des "bürokratischen" AMS-Frühwarnsystems für Ältere.
  • Entfall des Arbeitgeberbeitrages zur Arbeitslosenversicherung für alle weiterbeschäftigten Älteren zumindest ab dem 55. Lebensjahr. Derzeit gibt es diesen Bonus nur für die Neueinstellung von Personen, die das 50. Lebensjahr überschritten haben.

Nicht aufgreifen wolle man den Vorschlag der deutschen Hartz-Kommission, die angeregt hat, die Vermittlungsbemühungen für ältere Arbeitslose ab 55 einzustellen. (miba, DER STANDARD, Printausgabe 2.10.2002)

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WKÖ

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    WKÖ-Generalsekretär Reinhold Mitterlehner: "Nicht bei jedem Konjunkturabschwung aus reinem Kostendenken vorschnell die Älteren kündigen, weil deren Know-how fehlt dann beim nächsten Aufschwung."

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