Intel: Drahtlos aus der Krise

1. Oktober 2002, 17:09
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Weltgrößter Chiphersteller setzt auf mobile Anwendungen - Aktie auf Sechs-Jahres-Tief

München - Der weltgrößte Chip-Hersteller Intel, am PC-Markt mit 80 Prozent klarer Marktführer, setzt nach der anhaltenden Flaute am PC-Markt nun verstärkt auf drahtlose Netzwerke. Intel-Chef Craig Barrett erwartet in den nächsten sechs Monaten einen starken Trend in Richtung mobile Anwendungen und hofft, dass diese den angeschlagenen IT-Markt wieder beleben werden. Die Intel-Aktie ist Montag-Nacht auf ein Sechs-Jahres-Tief gefallen. Heute Nachmittag notierte die Aktie bei 14,05 US-Doller, um 1,15 Prozent über dem gestrigen Schlusskurs.

Barrett begründet die Talfahrt des Aktienkurses mit der weltweit anhaltenden Konjunkturflaute, die auch die IT-Ausgaben gedrückt hätten. Betroffen seien nicht nur das US-Geschäft, sondern auch Europa und die USA. Wann die Erholung kommen werde, sei zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht abschätzbar, erklärte Barrett am Dienstag vor Journalisten in München.

Gut aufgestellt

Trotz Flaute sei Intel wirtschaftlich gut positioniert. Obwohl die Umsätze seit dem Jahr 2000 um rund ein Fünftel zurückgegangen seien, sei Intel nach wie vor profitabel - sprich "Cash-Flow-positiv". Außerdem könne der Konzern auf einen Cash-Bestand von rund zehn Mrd. Dollar zurückgreifen, mit denen man sowohl Aktienrückkäufe als auch weitere Investitionen finanzieren könne, betonte Barrett. Er selbst achtet daher nicht auf die Kursentwicklung: "Wenn ich mein Geschäft vom Aktienkurs abhängig machen würde, würde ich verrückt werden."

Investiert wird bei Intel derzeit vor allem in die Adaption der Chips für die drahtlose Internet-Verbindung. Barrets Vision: "Jeder wird das Internet nützen." Die Zahl der Internetnutzer soll, so seine Schätzung, in den nächsten Jahren von derzeit 400 bis 500 Millionen auf über eine Milliarde ansteigen. Verwenden werde man das Internet für die selben Dinge wie heute - nur künftig jederzeit und überall, meint Barrett.

UMTS-Integration

Intel will deshalb Anfang 2003 die nächste Generation der mobilen Computer auf den Markt bringen, in den bereits Chips eingebaut sind, die die drahtlose Datenübertragung via Wireless LAN unterstützen. In weiterer Folge wolle man aber auch die dritte Mobilfunkgeneration UMTS (Universal Mobile Telecommunications System) in die Geräte integrieren, verkündete Barrett am Dienstag. Auf einen Zeitpunkt, wann die ersten UMTS-fähigen Computer auf den Markt kommen werden, wollte sich Barrett aber nicht festlegen.

Chip im Handy

Neben der Strategie, Kommunikation in die Computer zu integrieren, will der Chip-Konzern auf der anderen Seite aber verstärkt auch seine Prozessoren, mit denen er im PC-Bereich groß geworden ist, im Telekom-Bereich unterbringen. Erste Intel-Speicher-Chips in Handys gibt es bereits, künftig sollen auch die Handy-Prozessoren von Intel stammen. Dass künftig wie am PC auch auf dem Handy "Intel Inside" stehen wird, glaubt Barrett aber nicht. "Dass wir im PC-Bereich eine charakteristische Marke für das gesamte Gerät geschaffen haben, war etwas Einzigartiges. Es ist unwahrscheinlich, dass wird das selbe bei Mobiltelefonen erleben werden". (APA)

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    Intel-Chef Craig Barrett: Wann die Erholung kommt, sei zum jetzigen Zeitpunkt nicht abschätzbar.

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