Labus in erster Linie von Minderheiten unterstützt

30. September 2002, 13:41
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Klarer Erfolg im Sandschak und der Vojvodina - Experte warnt vor Nationalisten

Belgrad - Angehörige der in Serbien lebenden Minderheiten (vor allem Ungarn, Bosniaken, Kroaten und Rumänen) haben bei der Präsidentenwahl am Sonntag mehrheitlich den von der serbischen Regierung unterstützten Kandidaten Miroljub Labus gewählt. In Novi Pazar, dem Verwaltungszentrum des Sandschak, erhielt der jugoslawische Vizepremier und Mitglied der Belgrader Expertengruppe "G-17" nach inoffiziellen Angaben 72 Prozent der Stimmen. Ein Experte des Belgrader Zentrums für freie Wahlen und Demokratie (CeSID) warnte indes vor einer möglichen Koalition nationalistischer Kräfte im Falle vorgezogener Parlamentswahlen in Serbien.

Der Ultranationalist Vojislav Seselj kam im Sandschak, wo etwa 150.000 Angehörige der bosniakischen Volksgruppe leben, nur auf etwa 15 Prozent, der jugoslawische Präsident Vojislav Kostunica gar nur auf neun Prozent. Ähnliche Ergebnisse gibt es in der nordserbischen und mulitethnischen Provinz Vojvodina.

Labus schnitt insbesondere in den größeren Städten Zrenjanin, Subotica, Kikinda, Sombor und Novi Sad, wo viele Angehörige der ungarischen, kroatischen, slowakischen und anderer kleinerer Volksgruppen leben, sehr gut ab. Vor allem die Anhänger der Autonomie in der Vojvodina scheinen in Kostunica das geringste Vertrauen zu haben. Der Präsident landete in Nordserbien mit 21 Prozent an dritter Stelle noch hinter Seselj (26 Prozent).

Die Wahlergebnisse haben nach Einschätzung von Zoran Lucic, Mitarbeiter des Belgrader Zentrums für freie Wahlen und Demokratie (CeSID), gezeigt, dass Kostunica und der serbische Ministerpräsident Zoran Djindjic auch künftig auf eine Zusammenarbeit angewiesen sein werden.

Die Ergebnisse der Präsidentschaftswahl würden darauf hinweisen, dass bei der vorgezogenen Parlamentswahl nur drei politische Kräfte eine Rolle spielen würden. Neben der Demokratischen Partei Serbiens (DSS) von Kostunica und dem von Djindjic angeführten DOS-Bündnis wäre das die SRS von Seselj. Eine DSS-SRS-Koalition würde Serbien aber erneut in "gefährliche nationalistische Gewässer" führen, warnte Lucic. (APA)

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