Prüfer fordern weitere Einschnitte bei "Frankfurter Rundschau"

29. September 2002, 12:03
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Personalbestand und Führungsebenen betroffen - Einstellung des Samstagsmagazins als "Notopfer"

Bei der "Frankfurter Rundschau" stehen Entscheidungen über weitere Einschnitte in Personalbestand, Chefredaktion und Geschäftsführung sowie über die Einstellung der samstäglichen Magazinbeilage an. Wie "Der Spiegel" am Samstag meldete, hat die Beratungsgesellschaft KPMG auf Veranlassung der Banken des Verlags eine Studie vorgelegt, wonach das hoch defizitär arbeitende Druck- und Verlagshaus Frankfurt am Main GmbH nur mit einem sofort einzuleitenden rigiden Sparkurs gerettet werden kann, der weit über die bereits geplanten Kürzungen hinausginge.

Zeitplan

"Wir müssen bis Ende Oktober personelle und strukturelle Veränderungen vornehmen", bestätigte Chefredakteur Jochen Siemens dem Nachrichtenmagazin.

Zunächst solle bis zum 30. November ein neues redaktionelles Konzept erarbeitet werden, das mit deutlich weniger Redakteuren auskomme, hieß es. Im Gespräch sei der Abbau von 30 Stellen. Das Druck- und Verlagshaus hat in diesem Jahr die Zahl der Stellen bereits um 147 auf 1.420 reduziert. Erst Mitte August wurden 50 Mitarbeiter betriebsbedingt entlassen.

Bis Ende 2003 sollen nach dem Vorschlag der Wirtschaftsprüfer zusätzlich 90 Kündigungen erfolgen und weitere 60 Stellen bis Ende 2004 durch Fluktuation entfallen, wie das Nachrichtenmagazin berichtete.

Abbau in den oberen Etagen

Die Berater schlagen laut "Spiegel" auch vor, auf einen der beiden Chefredakteure (Jochen Siemens und Hans-Helmut Kohl) zu verzichten. Die Zahl der Geschäftsführer soll von vier auf drei sinken, die der Prokuristen von sieben auf drei - bereits zum Ende dieses Monats.

Die Belegschaft soll ein "Sonderopfer" in Höhe von zirka zehn Millionen Euro aufbringen. Darüber habe sie der Betriebsrat am Donnerstag informiert, berichtete der "Spiegel". Dem Schreiben der Arbeitnehmervertretung zufolge stehe auch ein redaktionelles Notopfer bereits fest. Die Magazinbeilage, mit der das Blatt seit April 2000 jüngere Leser anzusprechen versucht, solle eingestellt und durch eine achtseitige Reisebeilage ersetzt werden. Das Nachrichtenmagazin zitierte Chefredakteur Siemens mit den Worten, eine Entscheidung darüber sei "noch nicht gefallen".

Auch der Geschäftsführer der "Frankfurter Rundschau", Hans Peter Volz, lege Wert auf die Feststellung, dass über die Umsetzung der KPMG-Empfehlungen noch nicht das letzte Wort gesprochen sei. (APA/AP)

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