Symbolische Bestattung von NS-Euthanasie-Opfern in Hartheim

29. September 2002, 15:47
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Strasser: Menschenrechte und Humanismus sind nicht selbstverständlich

Linz - Im Rahmen einer ökumenischen Gedenkstunde wurden am Freitagnachmittag im Schloss Hartheim im Bezirk Eferding in Oberösterreich die sterblichen Überreste von Euthanasie-Opfern aus der NS-Zeit symbolisch bestattet. Innenminister Ernst Strasser (V) warnte bei dieser Gelegenheit, dass Menschenrechte und Humanismus auch heute nicht als selbstverständlich angesehen werden dürften.

Schloss Hartheim war in den Jahren 1939 bis 1944 ein Ort des Grauens: Mindestens 30.000 Menschen - Alte, Kranke, Behinderte und auch Strafgefangene - wurden hier systematisch ermordet. Im Zuge einer Renovierung des Schlosses fand man eine große Anzahl an vergrabenen Knochen, Aschenresten und persönlichen Gegenständen von Opfern. Die sterblichen Überreste wurden am Freitag in einem symbolischen Akt bestattet, es wurde auch ein Gedenkstätte für die NS-Opfer errichtet.

Strasser bezeichnete Gedenkstätten dieser Art als "Mahnung und Erinnerung" an die "unvorstellbaren Dimensionen der NS-Todesmaschinerie". Gedenkstätten würden vor Augen führen, so Strasser, dass auch heute Grundpfeiler einer pluralistischen Gesellschaft wie Menschenrechte und Humanismus sowie der demokratische Umgang miteinander "nicht selbstverständlich sind, sie müssen ständig und von Neuem erlebt und verteidigt werden".

Oberösterreichs Landeshauptmann Josef Pühringer (V) bezeichnete Hartheim als "Stein gewordenes Symbol für barbarische Grausamkeiten, basierend auf brutaler Menschenverachtung". Die Gedenkstätte soll hingegen "ein in Stein gehauenes 'Nie wieder' werden", so Pühringer. Verspätet, aber doch werde mit der jetzigen Bestattung den Toten von Hartheim die letzte Ehre erwiesen. Zugleich sei für die Angehörigen ein "Ort des Trauerns" geschaffen worden. Und Pühringer mahnte: "Wir dürfen dieses dunkle Kapitel im Buch der Geschichte nicht überblättern, die Gedenkstätte ist ein Mahnmal gegen die Haltung der Intoleranz, der Herrenmenschen und des Ungeistes, wonach nur der Starke zählt und dem Schwachen das Recht auf Leben abgesprochen wird".

Die Vertreter der christlichen Kirchen und der Israelitischen Kultusgemeinde bezeichneten die Gedenkstätte von Hartheim als Ort der Mahnung und der Verpflichtung zu Toleranz, Achtung der Menschenwürde und Frieden. (APA)

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