Russische Armee setzt Angriffe gegen tschetschenische Rebellen fort

27. September 2002, 16:58
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Gefechte an der Grenze zu Inguschetien - Freischärlerchef Gelajew laut russischen Angaben verletzt

Wladikawkas/Moskau - Russische Truppen haben in der Nacht zum Freitag offenbar Rebellen zurückgeschlagen, die von der Republik Inguschetien aus nach Tschetschenien vordringen wollten. Sie blockierten außerdem sämtliche Schlupfwege der tschetschenischen Rebellen, wie der stellvertretende inguschische Innenminister Chamatchan Albakow sagte. Nach russischen Armeeangaben wurde der tschetschenische Rebellenchef Ruslan Gelajew bei den Kämpfen schwer verletzt.

Moskau: Kämpfer gelangten von Georgien nach Inguschetien

Bereits am Donnerstag hatten sich russische Soldaten und tschetschenische Rebellen in Inguschetien heftige Gefechte geliefert. Außerdem schossen Rebellen erneut einen russischen Hubschrauber ab. Bei den Kämpfen und dem Abschuss wurden nach offiziellen Angaben vom Freitag 17 Soldaten getötet. Auch etwa 15 Rebellen fielen demnach den Kämpfen zum Opfer. Am Donnerstag war noch von 80 toten Rebellen die Rede gewesen. Der Kreml erklärte, die etwa 150 Kämpfer seien aus dem Pankisi-Tal in Georgien nach Inguschetien gelangt.

Russland erneutert Drohung gegen Georgien

Die Gefechte zwischen tschetschenischen Rebellen und Truppen der russischen Regierung waren bisher auf die Kaukasus-Republik Tschetschenien beschränkt. Die Nachbarrepublik Inguschetien hat in den vergangenen Jahren hunderttausende Flüchtlinge aus Tschetschenien aufgenommen, zu Kämpfen kam es dort nicht. Russland hat weiter Georgien vorgeworfen, nicht hart genug gegen die dort lebenden tschetschenischen Rebellen vorzugehen. Der russische Verteidigungsminister Sergej Iwanow drohte am Donnerstag erneut mit einer Militäroperation in Georgien.

Tschetschenische Führung: Russland will Ausweitung des Konflikts provozieren

Die tschetschenische Führung warf Russland vor, mit den Kämpfen in Inguschetien eine Ausweitung des Kaukasuskonflikts zu provozieren. Der Vertreter des von Moskau nicht anerkannten tschetschenischen Präsidenten Aslan Maschadow, Achmed Sakajew, sagte der russischen Tageszeitung "Kommersant" (Freitagsausgabe), Russland benutze die Gefechte als Vorwand, um gegen Georgien vorzugehen.

Die Behauptung, dass die Rebellen in Inguschetien aus dem georgischen Pankisi-Tal kommen, solle nur als Vorwand dienen, um militärisch gegen Georgien vorzugehen. Die aus "über 100.000 Mann" bestehende russische Armee habe sich als "unfähig" erwiesen, die laut Russland im georgischen Pankisi-Tal versteckten Rebellen niederzuschlagen, sagte Sakajew.

Renellenchef angeblich schwer verletzt

Der tschetschenische Rebellenchef Gelajew sei bei den Kämpfen in Inguschetien schwer verletzt worden, sagte ein hochrangiger Vertreter der 58. russischen Armee der russischen Nachrichtenagentur ITAR-TASS. Rund 70 Kämpfer Gelajews seien bei den Gefechten am Donnerstag bei der inguschetischen Ortschaft Galaschki nahe der Grenze zu Tschetschenien getötet und vier weitere festgenommen worden.

Der Fernsehsender NTW berichtete unter Berufung auf Militärvertreter, die Armee habe in der Nacht vergeblich versucht, von Inguschetien aus über die Berge in die Nachbarrepublik Tschetschenien zu gelangen.

Am Donnerstag waren bei den schwersten Kämpfen in der Republik Inguschetien nach Armeeangaben auch bis zu 20 russische Soldaten getötet worden. Unter den Opfern war demnach auch ein britischer Bildjournalist. Der 31-Jährige arbeitete nach Armeeangaben für den Fernsehsender Frontline. Russische Einheiten waren am 1. Oktober 1999 in Tschetschenien einmarschiert und kämpfen seitdem gegen die nach Unabhängigkeit von Moskau strebenden Rebellen. Nun drohen die Kämpfe auf die Nachbarrepublik Inguschetien überzugreifen.

Georgischer Botschafter ins russische Außenministerium zitert

Unterdessen wurde der georgische Botschafter in Moskau, Surab Abaschidse, in das russische Außenministerium zitiert. Georgien hindere die auf seinem Staatsgebiet verschanzten "illegalen bewaffneten Banden" nicht an ihrer Rückkehr auf russisches Territorium, teilte das Außenministerium zur Begründung mit. Dies zeige, dass Georgien nicht die Absicht habe, bei der Terrorbekämfung zu kooperieren. Tiflis mache sich im Gegenteil "zum Komplizen der bewaffneten Banditen", indem es ihnen einen "Korridor nach Russland" öffne.(APA/AP)

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