Bleckmann ist Haider-Kandidatur egal

27. September 2002, 09:27
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FPÖ-Vizeobfrau will im STANDARD-Interview nicht über die Vergangenheit reden und bei der Osterweiterung hart bleiben

Wien - Der stellvertretenden FPÖ-Chefin Magda Bleckmann ist eine Kandidatur des Kärntner Landeshauptmanns Jörg Haider auf der Nationalratswahlliste egal. Im Radio Morgenjournal des ORF am Freitag sagte Bleckmann, "normalerweise wäre das überhaupt keine Geschichte. Der Landeshauptmann steht als letzter auf der Liste oben. Aber für mich ist wichtig, dass die beiden (der neue FPÖ-Chef Mathias Reichhold und Haider, Anm.) sich das miteinander ausmachen, wie der richtige Weg ist, wie die Sprachregelung ist". Auf die Frage, ob ihr das egal sei, meinte Bleckmann: "Ja".

Eine erste Etappe der Steuerreform 2003 ist für Bleckmann, eine der vier Stellvertreterinnen von Reichhold, eine Koalitionsbedingung. "Die FPÖ muss jetzt neue Wege der Geschlossenheit gehen und zeigen, dass die Wähler in uns Vertrauen setzen können und Wahlversprechen eingehalten werden."

Deutsch-national oder liberal - auch egal?

Befragt, ob sie sich als deutsch-national definiert, sagte die Industriellentochter: "Ich glaube nicht, dass es für die Wähler wichtig ist, ob ich deutsch-national oder liberal bin, sondern dass für mich Österreich wichtig ist und Österreich zuerst kommt". Angesprochen auf ihr Wahlziel bekräftigte Bleckmann, sie solle ein Prozent nach dem anderen zurück gewinnen. Wie viele Prozente sie erreichen wolle? - "Sie werden von mir hier keinerlei Festlegung hören".

Es gibt Fragen, auf die antwortet Bleckmann nicht so gern. Zum Beispiel auf solche, ob sie und die anderen Knittelfelder die Folgen (Rücktritte, Regierungsbruch) bei ihrem Aufstand bedacht haben: "Das war eine lange Entwicklung, man kann den Tiefstand der FPÖ nicht nur mit Knittelfeld erklären. Mich haben die Rücktritte sehr verwundert. Sich aber über vergossene Milch den Kopf zu zerbrechen, das bringt nichts", viel mehr will sie dazu im Standard-Interview nicht sagen.

Bin keine Historikerin

Und es gibt Fragen, auf die antwortet die als Deutschnationale Beschriebene noch viel weniger gern - auf solche, ob Österreich 1945 "befreit" wurde und die Rolle Österreichs in der Nazizeit: "Das ist eine Zeit, über die ich nicht urteilen möchte. Ich bin keine Historikerin. Ich bin Jugend- und Familiensprecherin der FPÖ, mir geht’s um die Zukunft, nicht um die Vergangenheit." Und überhaupt sei sie 34 und eine Nachgeborene.

Bei anderen Themen weicht die eloquente Steirerin nicht aus, sondern pocht energisch darauf, dass die FPÖ bei einer etwaigen neuerlichen Regierungsbeteiligung die Inhalte von Knittelfeld umsetzen müsse: Wenn die Benes-Dekrete und das AKW Temelín unverändert blieben - "dann kann ich mir keine EU-Erweiterung vorstellen". Und dann werde die FPÖ auch ein Veto einlegen.

Dass die FPÖ wieder in die Regierung kommt, darauf hofft Bleckmann, ein Wahlziel oder eine Grenze für den Eintritt in die Koalition will sie nicht festlegen. Über den bisherigen Koalitionspartner ÖVP sagt sie nicht nur Gutes: "Nachdem wir Mitbewerber sind, lag es der ÖVP nicht so am Herzen, dass es uns gut geht. Da ist einiges unternommen worden, Zwist in unsere Reihen zu bringen."

Die Industriellentochter will im Wahlkampf als "Vertreterin der kleinen Frau" eintreten: "Vor allem Alleinerzieherinnen geht es schlecht, die sind an der Armutsgrenze. Da müssen wir uns neue Formen der Kinderbetreuung einfallen lassen. Ebenso wichtig ist, für die eigenständige Pension von Frauen Maßnahmen zu setzen." Als Kritik an Parteivize-Kollegen und Frauenminister Herbert Haupt will Bleckmann das nicht verstanden wissen: "Ich war am Anfang etwas skeptisch, aber Haupt hat als Mann gute Frauenpolitik gemacht. Er hat sogar als Mann Dinge sagen können, die eine Frau nicht hätte sagen können, weil sie als Emanze verschrieen worden wäre - etwa zum Thema eigene Pension für Frauen."

Ihr Privatleben (Mann als Bankräuber erschossen) hat FPÖ-Chef Mathias Reichhold als Beleg für ihre Stärke angeführt. Bleckmann sagt dazu: "Mir ist bewusst, dass ich mit meiner Vergangenheit konfrontiert werden kann. Ich weiß, was auf mich zukommen kann." (Eva Linsinger/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 29.9.2002, APA)

  • Magda Bleckmann
    foto: standard/cremer

    Magda Bleckmann

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