Klagenfurt: Wirbel bei Kulturprotest

27. September 2002, 19:14
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FP sieht "verwerfliche Schändung" des Denkmals des "Abwehrkampfes" - Landtagsdirektor wurde gegen ORF-Kameramann handgreiflich

Klagenfurt - Eine Protestaktion des Kulturvereins Unikum und des Kunstvereins für Kärnten vor dem Landhaus in Klagenfurt löste am Donnerstag Vormittag einen handfesten Wirbel aus. Ein Kameramann des ORF wurde vom Direktor des Landtagsamtes handgreiflich am Filmen gehindert, der Kameramann will Anzeige erstatten. Kritik unterschiedlicher Art übten die Parteien in ihren Reaktionen; das ORF-Landesstudio protestierte scharf.

Anlass des Protests war Beschluss der Landesregierung, den sogenannten Traditionsvereinen in Kärnten eine Grundsubvention zu gewähren, allen anderen aber nicht.

Demonstranten dekorierten die Säulen der "Stätte der Kärntner Einheit", ein Denkmal im Landhaushof mit vergoldeten Hütchen. Gerhard Pilgram vom Kulturverein Unikum erläuterte, es seien Goldhauben, andere fühlten sich an Cornelius Koligs in Kärntner Diskussionen häufig häufig zitierte vergoldete Fäkalien erinnert. Landtagspräsident Jörg Freunschlag (FPÖ) sprach von einer "Schändung des Denkmals" und forderte die sofortige Entfernung der Hütchen.

"Tätlicher Angriff auf einen Kameramann"

Einige Aktionisten verteilten Flugblätter, ein Journalist interviewte Pilgram, als Landtagsdirektor Robert Weiß plötzlich auf den Kameramann zuging. Mit den Worten "Hier herrscht Demonstrationsverbot" drückte Weiß mit der Hand auf die Kamera. Der Kameramann erklärte: "Er hat das Mikrofon der Kamera kaputt gemacht, meine Brille ist auch in Mitleidenschaft gezogen, ich werde Anzeige erstatten."

Ein scharfer Protest der Redakteursvertretung des ORF-Landesstudios Kärnten folgte. Die Redakteure sehen ihn dem Vorfall einen Angriff auf die Pressefreiheit.

Der Protest im Wortlaut: "Im Zuge von Dreharbeiten im Landhaushof in Klagenfurt ist es heute vormittag (26. September 2002) zu einem tätlichen Angriff auf einen Kameramann des ORF gekommen. Das Team war dabei, vor der 'Stätte der Kärntner Einheit' Aufnahmen von Aktionisten des Kunstvereines für Kärnten zu drehen. Dabei wurde der Kameramann von Landtagsdirektor Mag. Robert Weiss handgreiflich an seiner Arbeit gehindert und dem ersten Augenschein nach am Auge verletzt. Die Redakteursvertretung im ORF-Landesstudio Kärnten protestiert aufs Schärfste gegen diese Vorgangsweise durch den Landtagsdirektor. Wir sehen darin einen Angriff auf die gesetzlich verankerte Informationspflicht des ORF und auf die Pressefreiheit. Der Vorfall wurde durch den angegriffenen Kameramann polizeilich zur Anzeige gebracht."

"Pietätloser Kärntenfeind"

FPÖ und ÖVP wiederum reagierten auf die Protestaktion des Kulturvereins heftig. So sprach FP-Obmann Martin Strutz von einer "verwerflichen Schändung", die er auf das Schärfste verurteile. Es handle sich offenbar einmal mehr um eine Provokation im Vorfeld des 10. Oktobers, des Landesfeiertags der Kärntner, der linken Kreisen ein Dorn im Auge sei. Wer derartige Dinge tue, entlarve sich selbst als "pietätloser Kärntenfeind" und habe "keinen Platz in einer demokratischen und friedvollen Gesellschaft".

Ähnlich die Kritik der ÖVP, für die Klubobmann Klaus Wutte die Protestaktion als "geschmacklos und heimatfeindlich" bezeichnete. Das sei ein "schändliches Vorgehen", mit dem das Gedenken an die Opfer des "Kärntner Abwehrkampfes" verunglimpft, herabgewürdigt und verspottet werde.

SPÖ fordert Klarstellung

Die SPÖ-Fraktion im Kärntner Landtag verurteilte am Donnerstag den Zwischenfall, bei dem ein Kameramann des ORF handgreiflich am Filmen gehindert wurde: In einer Aussendung wurde er als "tätlicher Angriff auf die Pressefreiheit" bezeichnet, der inakzeptabel sei. Der SP-Klub forderte vom Landtagspräsidenten Jörg Freunschlag (F) eine Klarstellung, warum dieser die Weisung zu einem solchen Vorgehen gegeben habe. Um die Sachlage zu klären, müsse sofort eine Konferenz der Obmänner der drei Landtagsklubs einberufen werden. (APA)

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