Goethe im "Gedächtnis der Menschheit"

24. September 2002, 20:50
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Schriftlicher Nachlass erhielt Ehrenstatus der UNESCO, Weimar hofft auf Digitalisierung der 480 Archivkästen

Weimar - Der handschriftliche Nachlass Johann Wolfgang von Goethes ist offiziell in das "Gedächtnis der Menschheit" aufgenommen worden. In einer Feierstunde überreichte der Präsident der Deutschen UNESCO-Kommission, Klaus Hüfner, am Dienstag im Weimarer Residenzschloss die Urkunde "Memory of the World" an die Stiftung Weimarer Klassik.

Goethes Nachlass dokumentiert nach Angaben der Weltkulturorganisation nicht nur das Schaffen und die Interessen Goethes in ganzer Breite, sondern ist ein Spiegelbild der deutschen Klassik und in seiner Wirkungsgeschichte ein Teil der Weltkultur.

Der vom Dichter selbst geordnete und in seltener Vollständigkeit erhaltene Nachlass wird seit 1885 im Goethe- und Schiller-Archiv in Weimar aufbewahrt und wissenschaftlich erschlossen. Er umfasst etwa 90 Prozent aller poetischen Manuskripte Goethes, darunter die vom Autor korrigierte Reinschrift des "Faust II".

Digitalisierungsprojekt

Zum Nachlass, der insgesamt 480 Archivkästen füllt, gehören nach Angaben der Stiftung nahezu alle Tagebücher aus sechs Jahrzehnten, mehr als ein Drittel der Briefe, die er schrieb, und etwa 20.000, die er erhielt, sowie Goethes Schriften zur Naturwissenschaft und Kunsttheorie. Von der Aufnahme in das UNESCO-Programm erhoffe man sich vor allem Unterstützung für Digitalisierungsprojekte, sagte Archivdirektor Jochen Golz.

Das "Memory of the World"-Register enthält nunmehr 69 Dokumente aus 33 Ländern, darunter das Logbuch des englischen Weltumseglers James Cook, die Manuskripte und Briefe des dänischen Märchendichters Hans Christian Andersen, die Lutherbibel von Johannes Gutenberg, die Partitur der Neunten Symphonie von Ludwig van Beethoven und den Film "Metropolis" von Fritz Lang. (APA/AP)

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