Container statt War-Rooms

25. September 2002, 18:25
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SPÖ-Wahlkampf aus Kisten am Ring

Wien - Ein Bauarbeiter kann nicht wirklich sagen, woran er werkt: "Weiß nicht genau, was das wird." Ein anderer ist, auch durch Passantenfragen geeicht, informiert: "Die Wahlzentrale."

Nicht nur in der Kernschicht Arbeiter soll sich bald herumsprechen, warum in der Wiener Innenstadt zwischen Burgtheater und Café Landtmann 70 Metallcontainer aufgeschlichtet werden: Für die "Kampagnenzentrale" der SPÖ, wie es offiziell heißt. Inoffiziell "sagt aber jeder Container", grinst einer der 100 SPÖ-Mitarbeiter, die ab Montag zum Wahlkämpfen in die zweistöckige Containerburg vor dem SPÖ-Haus Löwelstraße übersiedeln.

"Container" sei zwar nicht der spritzige Wunschname, aber besser als "War-Room", wie im Wahlkampf 1999 großkotzig die Räume in der Alpenmilchzentrale hießen. Nicht nur wegen der Niederlage 1999 will diesmal niemand in der SPÖ etwas von einem War-Room wissen: "Modere Kommunikationsformen wie E-Mail hin oder her - organisatorisch ist es total schwierig, wenn man draußen sitzt", meint SPÖ-Sprecherin Conny Zoppoth.

Neben der Innenwirkung, der Nähe zur SPÖ-Zentrale, entschied die Außenwirkung für die Container an der Ringstraße: "Da fahren täglich Zigtausende Autos vorbei, sehen unsere Plakate und dass wir um Stimmen kämpfen", ist Wiens Landesparteisekretär Harry Kopietz überzeugt, dass seine Container-Idee einschlägt - und auch Passanten zum Diskutieren anzieht. Anrainer-Beschwerden über wegfallende Parkplätze will er mit dem Parkangebot Rathausgarage vorbauen.

Gegen Politiker-Beschwerden hilft das nichts. Die FPÖ motzt über "Verschandelung" der Innenstadt, die ÖVP unkt über "Big Brother". Zumindest gegen Letzteres fühlt sich die SPÖ kalauermäßig gewappnet: "Am Ende verlässt der Sieger den Container." (Eva Linsinger/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 25.9.2002)

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    Die Container hinter dem Burgtheater

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