Preisstabilität in Eurozone gefährdet

24. September 2002, 15:25
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EZB-Vize Papademos und Präsident der Deutschen Bundesbank warnen vor Lockerung des Stabilitätspakts

Frankfurt/London - Der Höhenflug der Öl-Preise könnte nach Einschätzung von Bundesbank-Präsident Ernst Welteke massiv auf die Verbraucherpreise durchschlagen. Der Anstieg der Öl-Preise infolge der jüngsten Spannungen im Nahen Osten sei ein "ernstes" Risiko für die Preisstabilität, sagte Welteke am Dienstag in London. Dagegen schätze er andere Gefahren als "relativ schwach" ein.

Welteke wandte sich gleichzeitig gegen Forderungen, den EU-Stabilitätspakt aufzuweichen. Sollte dies passieren, drohten zusätzliche, nicht zu unterschätzende Risiken für die Preisstabilität, sagte er nach seinem in Frankfurt verbreiteten Redetext. Die Europäische Zentralbank (EZB) könnte sich dann veranlasst sehen, bei der Geldpolitik die Zügel anzuziehen. Zumindest sei eine Lockerung durch die europäischen Währungshüter dann weniger wahrscheinlich.

Papademos: Wachstum in Gefahr

Der Vizepräsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Lucas Papademos, pocht auf die Einhaltung des Stabilitätspaktes. "Ein Verlust der fiskalischen Disziplin gefährdet langfristig nicht nur die Preisstabilität, sondern auch das Wirtschaftswachstum", sagte er in einem Interview der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". In einigen Ländern der Währungsunion habe sich der Wille zur Konsolidierung abgeschwächt, kritisierte er.

Auch in Zeiten schwachen Wirtschaftswachstums biete die Drei-Prozent-Grenze für das Staatsdefizit genügend Flexibilität, betonte der Grieche. Sie sei keine substanzielle Belastung für die Konjunktur. Es sei dagegen für die Geldpolitik von zentraler Bedeutung, dass die Regierungen ausgeglichene Staatshaushalte erreichten und beibehielten. Werde die Grenze mittel- bis langfristig überschritten, sei die Preisstabilität gefährdet. Dies könnte Zinserhöhungen erforderlich machen, mahnte der EZB-Vize.

Ausbalanciert

Papademos wies erneut darauf hin, dass die EZB derzeit die Risiken für die Preisstabilität für ausbalanciert hält. Als "Aufwärtsrisiken" definierte er die Ölpreise und die künftigen Lohnabschlüsse, als "Abwärtsrisiko" die gedämpfte wirtschaftliche Erholung. Bis Jahresende werde sich die Teuerung in Euroland um zwei Prozent bewegen, danach leicht darunter sinken. Bei Inflationsraten bis zwei Prozent sieht die Zentralbank keine Gefahr einer Geldentwertung. (APA/AFP/dpa)

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