Bush: Schröders Entschuldigungsbrief reicht nicht

24. September 2002, 08:03
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CNN: Bush wollte nicht mit Schröder sprechen - Keine Gratulation des Weißen Hauses zum Wahlerfolg - Fischer telefonierte mit Powell

Trenton/Washington - Der US-Regierung reicht die vom deutschen Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) brieflich übermittelte Entschuldigung für die Äußerungen der bisherigen Justizministerin Herta Däubler-Gmelin (SPD) nicht. Der Brief des Kanzlers an US-Präsident George W. Bush habe sich "nicht wirklich wie eine Entschuldigung" für den Vergleich Bushs mit Adolf Hitler gelesen, sagte der Sprecher des Weißen Hauses, Ari Fleischer, am Montag am Rande einer Reise des Präsidenten nach Trenton im US-Bundesstaat New Jersey. Vielmehr habe sich der Brief "mehr wie der Versuch einer Erklärung" gelesen.

Der US-Sender CNN berichtete am Montag, dass Bush ein Gespräch mit Schröder abgelehnt hat. Als Schröder Ende vergangener Woche versuchte den Ärger im Weißen Haus über den angeblichen Hitler-Bush-Vergleich der deutschen Justizministerin Herta Däubler-Gmelin (SPD) zu kalmieren habe sich Bush geweigert, mit Schröder zu telefonieren. Daher habe Schröder lediglich einen Brief an Bush geschrieben, in dem er sich um Schadensbegrenzung bemühte.

Auf den Wahlerfolg der deutschen Rot-Grün-Regierung bei den Bundestagswahlen am Sonntag reagierte das Weiße Haus nach Angaben von CNN "eisig". In einem Schreiben habe das Weiße Haus kurz erklärt, die deutschen Wähler hätten entschieden und die US-Regierung werde mit der deutschen Regierung in Sachfragen zusammenarbeiten. Glückwünsche seien nicht enthalten, ebensowenig werde der Name des deutschen Bundeskanzlers und SPD-Chefs, Gerhard Schröder, erwähnt. Die Adresse unterscheide sich wesentlich von den persönlich und herzlich gehaltenen Glückwünschen des Weißen Hauses an den im Mai wieder gewählten französischen Präsidenten Jacques Chirac. Fischer telefonierte mit Powell

Das US-Außenministerium teilte am Montag mit, dass der deutsche Außenminister Joschka Fischer am Vormittag mit seinem US-Kollegen Colin Powell telefoniert habe. Dabei sei es auch um einige der Themen gegangen, die während des Wahlkampfes für Irritationen gesorgt hatten.

Auf die Frage, ob Powell seinem deutschen Kollegen dabei zum Wahlsieg gratuliert habe, antwortete Sprecher des Außenministeriums, Richard Boucher, er könne nicht mehr dazu sagen. Dies sei eine "spezielle Angelegenheit". Boucher äußerte sich im weiteren ähnlich verhalten wie das Weiße Haus über den Wahlsieg der Koalition. Mit deutlich klareren Worten begrüßte er dagegen den Wahlausgang in der Slowakei. (APA)

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