Mobilkom wirft UMTS-Netz aus

25. September 2002, 19:58
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Erstes nationales Netz Europas gestartet - Testbetrieb in den Landeshauptstädten - Endgeräte fehlen noch

Wien - Das erste nationale Mobilfunknetz der 3. Generation in Europa ist "on air". Damit können neben Sprache auch digitale Fotos, Videos, Spiele oder Musikstücke übertragen werden.

Zum Start sind bis auf Salzburg alle Landeshauptstädte sowie Traun, Wels und Villach in das UMTS-Netz eingebunden. Damit, so Mobilkom-Marketingchef Hannes Ametsreiter, habe man eine 25-prozentige Versorgung der Bevölkerung erreicht. Salzburg ist wegen der andauernden Diskussion um Mobilfunk-Grenzwerte nicht integriert. Geplant ist, bis Jahresende mit tausend Basisstationen rund 40 Prozent der Bevölkerung zu erreichen.

Warten auf Endgeräte

Was allerdings noch fehlt, sind die passenden UMTS-Endgeräte. Die Telefone, mit denen das Netz eröffnet wurde, sind allesamt Prototypen. Erst wenn die ersten tausend Geräte geliefert werden, kann der offizielle Testbetrieb starten, so Mobilkom-Chef Boris Nemsic. Den kommerziellen Start erwartet er in drei bis sechs Monaten. Dann sollten entsprechende Geräte "in ausreichender Zahl und Vielfalt" verfügbar sein. Erwartet werden Handys von Qualcom, LG, Ericsson, Motorola und Nokia, die im ersten Anlauf zwischen 800 und 1000 Euro kosten dürften.

Beim "Content", also den passenden multimedialen Diensten, ist man einen Schritt weiter. Mit dem ORF wurde ein Vertrag dahingehend abgeschlossen, dass ein ZiB-1-Mitschnitt, genannt "News-Flash", als zwei bis vier Minuten dauerndes Video verschickt werden kann. Reuters wird Wirtschaftsnachrichten liefern. ISPR, eine Tochter von Kirch Media, wird Sportnews liefern. Dabei kann man sich etwa über geschossene Tore informieren oder Spielzusammenfassungen auf Video ansehen.

Investitionen

Insgesamt wurden von Mobilkom Austria bis dato 72 Mio. Euro in das Netz investiert. Das sei zwar eine erkleckliche Summe, erklärte Nemsic, umgelegt auf die 2,9 Millionen A1-Kunden aber nur 25 Euro pro Kopf. Es habe sich einfach gezeigt, dass es aufgrund der vergleichsweise moderaten Lizenzzahlungen für die UMTS-Frequenzen für den kleinen europäischen Player Mobilkom jetzt leichter sei, solche Investitionen aus dem Cashflow zu tätigen.

Ähnliches betonte der Managing Director des Beratungsunternehmens Arthur D. Little, Georg Serentschy. Die Erwartungen in die neue Mobilfunktechnologie von vor zwei Jahren seien einfach überzogen gewesen - ebenso wie die derzeitige Situation, wo aufgrund der Schräglage vieler Telekomunternehmen ein zu tristes Bild gezeichnet werde. Beide Haltungen seien falsch; man müsse sich auf ein moderates Wachstum einer grundsätzlich attraktiven Branche einstellen.

Nicht nur würde es mit UMTS zu neuen Diensten kommen, auch sei es eine Ergänzung zum bestehenden GSM-Netz. Insgesamt würde das Netz dadurch ökonomischer nutzbar werden.

Konkurrenz folgt

Nach der Mobilkom wird diese Woche auch die finnische Sonera mit dem Testbetrieb starten, im Oktober soll Hutchison in Großbritannien folgen. Die meisten anderen Betreiber haben ihren Netzstart aber aufgrund von technischen und finanzellen Problemen schon auf nächstes Jahr verschoben. In Österreich wollen heuer noch T-Mobile und One starten. Hutchison und tele.ring im nächsten Jahr. (ruz, DER STANDARD, Printausgabe 26.9.2002)

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Von Helmut Spudich

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    "Das A1-Netz ist on Air". Mobilkom-Chef Boris Nemsic gab Startschuss für 3. Mobilfunkgeneration in Österreich.

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