Privater Industriefonds statt ÖIAG

23. September 2002, 19:02
2 Postings

Börse-Promotor Schenz: Breitere Eigentümerstreuung, kein Einfluss der Politik

Wien - Der Kapitalmarktbeauftragte der scheidenden Bundesregierung, Ex-OMV-Chef Richard Schenz, gibt der Idee eines privatwirtschaftlichen Industriefonds, der künftig die Beteiligungsrolle der Staatsholding ÖIAG übernehmen könnte, gute Umsetzungschancen. Gespräche, wenn auch noch nicht auf politischer Ebene, seien im Laufen.

Starten könnte dieser Industriefonds, der patriotische Kleinanleger anlocken soll, schon 2003, sagte Schenz im Klub der Wirtschaftspublizisten. Die Vorteile gegenüber der ÖIAG wären die breitere (private) Eigentümerstreuung und die endgültige Zurückdrängung der Politik. Unterstützung findet Schenz - wie berichtet - von den Chefs der meisten börsennotierten ÖIAG-Beteiligungsfirmen.

Abzuwarten bleibt diesbezüglich freilich die Bildung der neuen Regierung und deren weitere Privatisierungsvorhaben. Kommt es zu einer rot-grünen Koalition auf Bundesebene, wird allgemein damit gerechnet, dass es zu keiner wesentlichen Änderung der Rolle der ÖIAG als staatlicher Kernaktionär bei Firmen wie Böhler, Voest, VA Tech, OMV oder AUA kommt.

"Schönheitsfehler"

Verteidigt hat Schenz erwartungsgemäß die Neugestaltung der privaten Pensionsvorsorge durch Schwarz-Blau, auch wenn er "Schönheitsfehler" und einen "Schnellschuss" einräumte.

Schenz wäre eine staatliche Kapitalgarantie vorgeschwebt anstatt der jetzt fixierten Garantie durch die Anbieter (Banken, Versicherungen). Außerdem hätte aufgrund der "Eile" keine Diskussion mit der Branche stattgefunden. Auch die Pensionsinvestmentfonds bräuchte man nicht auslaufen zu lassen. Dennoch sieht er im Aufbau einer privaten Pensionssäule eine "historische Großtat".

Nicht teilen kann Schenz die Kritik an der Bestimmung, wonach die Anbieter von privaten Vorsorgeprodukten - so die staatliche Prämienförderung von zehn Prozent zum Tragen kommen soll - zu 60 Prozent an der Wiener oder anderen "unterentwickelten" Börsen im EWR-Raum anlegen müssen. Zwar treffe die Definition "unterentwickelt" (Börsenkapitalisierung in Prozent des BIP) derzeit nur auf Österreich (16 Prozent) zu, aber nach der EU-Erweiterung kämen ja die Börsen der östlichen Nachbarn dazu. (miba, DER STANDARD, Printausgabe 24.9.2002)

Share if you care.