Frühgeburt durch Paradontitis der Mutter

23. September 2002, 12:50
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Risiko steigt auf das Achtfache

Linz - Mediziner warnen jetzt: Durch krankes Zahnfleisch bei der Mutter kann es zu einer Frühgeburt kommen. Auch "zu leichte" Babys können eine Folge der bakteriellen Zahnfleischentzündung - der so genannten Parodontitis - sein.

Thomas Messner, der Sprecher der Zahnärzte in der oberösterreichischen Ärztekammer, verwies am Montag in einer Aussendung auf neueste Studien aus den USA, denen zu Folge bei ausgedehnter Zahnfleischentzündung das Risiko einer Frühgeburt auf das beinahe Achtfache steige.

Geburtsgewicht kann sich verringern

Zu ähnlichen Ergebnissen komme laut Messner auch eine erst im vergangenen Juni fertig gestellte Untersuchung der Universität Wien: hier wurden die Fälle von 20 werdenden Müttern analysiert, bei zehn von diesen waren Parodontitis-Keime sowohl in den Zahnfleischtaschen als auch im Blut vorhanden. "Und von diesen zehn Schwangeren mit Zahnfleischproblemen hatten zwei eine Frühgeburt, bei drei weiteren Neugeborenen war das Geburtsgewicht verringert", berichtet Messner. Der Zahnärztesprecher kommt zu dem Schluss: "Auch wenn die Zusammenhänge noch nicht 100-prozentig bewiesen sind, sind Schwangere jedenfalls gut beraten, wenn sie ihr Zahnfleisch rechtzeitig in Ordnung bringen lassen".

Lungenentzündung und Herzerkrankung

Zumal nicht nur Frühgeburten durch Parodontitis ausgelöst werden können sondern auch ein Zusammenhang mit anderen Erkrankungen besteht. So steige etwa bei Parodontitis das Risiko einer neu auftretenden Herzerkrankung um das Dreifache. Auch das Risiko einer Lungenentzündung konnte durch gesundes Zahnfleisch um fast 70 Prozent gesenkt werden.

Die oberösterreichische Ärztekammer startet demnächst eine landesweite Informations- und Aufklärungskampagne zum Thema "gesundes Zahnfleisch" unter dem Motto "Der Mund: Das Tor zur Gesundheit". Dabei soll im besonderen auf die selbst bei niedergelassenen Ärzten noch zu wenig bekannten möglichen Zusammenhänge zwischen Parodontitis und dem Risiko einer Frühgeburt aufmerksam gemacht werden, so Ärztekammer-Präsident Otto Pjeta.

Auch die Gynäkologen schließen diesen Zusammenhang nicht aus. "Es gibt Keime im Genitalbereich, die eine Frühgeburt auslösen können, möglicherweise handelt es sich bei krankem Zahnfleisch um dieselben Keime", sagt zum Beispiel Primar Wolfgang Arzt, Frühgeburten-Spezialist der Landesfrauenklinik in Linz. (APA)

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